Vermischtes Unverhofft interessant

18.12.2002, 23:00 Uhr

Mario, Filmstar aus Bari – Arte, 22. 55 Uhr Da steht ein klappriger Fiat neben der großen Krippe an der Straße, Nacht für Nacht. Drinnen sitzt Mario aus Bari und hält Wache, passt auf, das niemand das Jesuskind klaut. Ein Job unter vielen, die der arbeitslose Süditaliener schon gemacht hat. Er hat mit Schmuggelware gedealt, geputzt, Feuerzeuge verkauft. Sein Traum allerdings wäre eine Karriere als Tänzer.

Auf die Frage, ob er Talent habe, antwortet seine Tanzlehrerin: ,,Er gibt sich immerhin Mühe". Mario ist ein Träumer, vielleicht sogar ein Spinner. Warum kommt dann die Geschichte dieses einfachen Mannes aus Bari zu uns? Weil ein Filmteam aus Rom ihn hat gewähren lassen. Offenbar haben sie verstanden, dass auch in diesem ärmlichen Leben vieles steckt, was jeden interessiert.

Die Filmemacher kamen nach Bari, um die Stadt und ihre Bewohner zu porträtieren – wie Mario beispielsweise. Der Job als Krippen-Nachtwächter ist eine Besonderheit, Grund genug für einen Filmbeitrag. Aber Mario erweist sich als Visionär. Schon bald gibt er den Filmemachern Anweisungen, mischt sich ein, bestimmt selbst, was für den Film von Interesse ist.

Er bringt das Team zu den Plätzen, die für sein Leben wichtig waren: sein Geburtshaus, in dem er mit zehn Geschwistern gelebt hat, das Gefängnis, in dem er mit 16 einmal einen Monat gesessen hat, den Hafen, von dem aus der drei Jahre auf See gefahren ist. Er erzählt Geschichten, dramatisiert nach seinen Vorstellungen, vergießt auch schon mal Tränen, wenn er es für angemessen hält.

Entstanden ist ein Film, den niemand voraus planen konnte, weil niemand etwas von der Existenz seines eigenwilligen Hauptdarstellers wusste. Gerade die Einfachheit ihres Sujets und ihre Zufälligkeit machen diese Dokumentation so spannend. Mario lebt sein für uns verrückt scheinendes, für ihn normales Leben in Bari, so wie wir das unsere hier oben. Eine gute Gelegenheit, mal wieder ordentlich über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.