Vermischtes Trendwende dank „BGM“

16.07.2009, 22:00 Uhr

Harter Stahl ist das Geschäft der Wurst Stahlbau GmbH in Bersenbrück. Dieses Geschäft läuft offensichtlich besser, wenn man auch die weichen Faktoren im Blick behält. Das Unternehmen setzt auf betriebliches Gesundheitsmanagement.

In den Hallen in Bersenbrück-Hastrup herrscht Vollbeschäftigung, und das wird noch eine Weile so bleiben: Dank seiner neuen Werkhalle konnte Wurst einen großen Auftrag beim Bau einer Airbus-Produktionsstätte ergattern.

Trotzdem gehört der Stahlbau zu den Branchen, die seit Jahren der Mangel an Facharbeitern und Ingenieuren plagt. „Daran hat die Wirtschaftskrise nichts geändert“, versichert Christian Wurst von der Geschäftsleitung. Deshalb bemüht sich das Unternehmen seit 2005 intensiv nicht nur um seine Kranken, sondern auch „um die 96 Prozent der Mitarbeiter, die gesund sind“, sagt Christians Bruder Thomas. Kürzlich stellte er das Gesundheitsmanagement des mittelständischen Unternehmens mit 170 Mitarbeitern auf einem Kongress in Wolfsburg Personalern des VW-Konzerns vor.

Neben den Brüdern ist auch Thomas Sperveslage überzeugt davon, dass das Gesundheitsmananagement Krankmeldungen und Kündigungen in Bersenbrück-Hastrup gegen null tendieren lässt, dass entgegen dem Branchentrend die Zahl der Bewerbungen um Lehrstellen steigt. Jeder zehnte Wurstianer ist ein Azubi. „Mit diesen Zahlen braucht man sich nicht zu verstecken“, sagt Sperveslage.

Er ist verantwortlich für das, was firmenintern unter „BGM“ läuft, leitet den Steuerkreis, der regelmäßig tagt. Er koordiniert ein regelrechtes „Netzwerk“ aus Arbeitskreisen und „Workshops“ im Unternehmen, mitsamt Außenkontakten zu Fachstellen.

Gesundheitsmanagement ist mehr, als den Mitarbeitern Rückenschule oder Reihenuntersuchung anzubieten. Es ist ein Prozess, das ständige Bemühen darum, Informationen fließen zu lassen zwischen Chefbüro und Monteuren „an der Front“, ohne dass Wesentliches „im Mittelbau“ versickert. Eine Unternehmenskultur zu schaffen, die auf Vertrauen und Offenheit setzt.

Das war die erste Lektion, die das Unternehmen von AOK-Spezialisten vermittelt bekam, als es vor vier Jahren begann. Statt Raucherentwöhnung startete man also mit einer Mitarbeiterbefragung, die seitdem immer mehr verfeinert wird. Sie brachte ein großes Feld zutage, das zu beackern war. Es geht um mehr Licht und Lärmschutz, beides wurde mit der neuen Halle verwirklicht. Aber auch um praktischere Arbeitskleidung, bessere Schweißerhelme. Vier-Augen-Gespräche als Angebot für Mitarbeiter, die in Schwierigkeiten stecken. Es geht aber auch um Rückenschule und ausgiebige Fitnesstests mit Beratung, wie sie der Gesundheitsbus bietet, der kürzlich auf den Hof rollte.

Jeder Mitarbeiter soll gesund alt werden können, lautet die Philospohie. So kommt auch die Nikotinsucht als Thema wieder auf die Agenda: Ab Oktober gilt Rauchverbot im Betrieb.