Vermischtes Telgter Wallfahrt mit 8700 Pilgern

12.07.2009, 18:08 Uhr

„Ich finde es toll, was für Jesus zu tun“, sagt Jonas Krampf aus Hagen und strahlt seinen Vater Uwe erwartungsvoll an. Der Papa macht die Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte schon seit 30 Jahren mit, beim ersten Mal war er gerade neun Jahre alt.

„Ich fange früher an“, sagt Jonas stolz und erzählt, dass er erst acht ist. Der junge Pilger geht zwar noch nicht die ganze Strecke mit, immerhin aber die 20 Kilometer von Glandorf nach Telgte. „Danach bin ich ganz schön kaputt, aber das macht nichts“, sagt der kleine Mann. Für Jesus was zu tun, sei eben wichtig.

Es ist die 157. Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte, die Karlheinz Schomaker organisiert. Seit über zwei Jahrzehnten sorgt er dafür, dass die Raststationen an der Strecke vorbereitet, Straßen abgesperrt, begleitende Rettungsdienste geordert und Transporte für das Gepäck organsiert werden. Die Wallfahrt unter dem Leitwort „Ich weiß, wem ich glaube“ beginnt traditionell um 1.30 Uhr in mit den Pilgermessen in St. Johann und St. Josef in Osnabrück. Danach versammeln sich rund 700 Gläubige am Johannisfriedhof. „Damit hatte ich wegen der unsicheren Wetterlage gar nicht gerechnet“, ist Schomaker erfreut.

Straße abgesperrt

Pünktlich um 3 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Allen voran der „Schrittmacher“ Klaus Meinert, der schon seit über 35 Jahren den Takt für den Fußmarsch angibt. „Ich orientiere mich am der Kilometrierung der Straßen“, sagt er. Wenn die Gruppe 100 Meter in 72 Sekunden schafft, passt der Zeitplan genau. An Steigungen müsse man ein paar Sekunden zugeben, wenn‘s bergab geht dürften es auch mal ein paar weniger sein. Klaus Meinert ist es zu verdanken, dass die Prozession exakt zur angegebenen Zeit an den Rastplätzen ankommt. Die Polizei, die die Straßen absperrt, kann die Uhr danach stellen.

Der erste kurze Halt der Pilger ist um 5.15 Uhr an der Klause vor Bad Iburg. Hier trifft der Zug mit den Wallfahrern aus dem Raum Hagen zusammen, die um 4 Uhr gestartet sind. Nun umfasst der Zug schon 2500 Menschen, die eine halbe Stunde später singend Richtung Glandorf marschieren. Sie kommen aus ganz Deutschland.

Anna und Hans-Peter Barella sind aus Bad Bergzabern gekommen. „Wir sind um halb elf gestern Abend in Osnabrück angekommen“, erzählt Anna Barella. Nur eine Stunde hätten sie uns ihr Mann geschlafen, dann seien sie in die Messe gegangen. „Ich habe als Kind schon Wallfahrten gemacht“, berichtet die katholische Religionslehrerin weiter. Feste singen, feste beten, mal die Luft rauslassen und abschalten - das sei wie ein Urlaub. „Hier in Osnabrück singen sie andere Lieder als bei uns“, macht die Süd-Pfälzerin deutlich, dass sie die Abwechslung liebt. Am meisten amüsiert sie sich über den „Osnabrücker Dialekt“. „Wo kommst du weg? - das habe ich noch nie gehört“, zitiert sie lachend eine typische Redensart.

Große Frühstückspause

Um 8 Uhr kommen die Wallfahrer in Glandorf an und lassen sich zur ersten großen Frühstückspause nieder. Hier stößt auch Bischof Franz-Josef Bode zu der Gruppe. Er wird von hier aus bis nach Telgte mitgehen und den Zug gemeinsam mit Manfred Möller und Ansgar Westermann anführen. Der 73-jährige Manfred Möller hat über 30 Jahre lang das Wallfahrtskreuz getragen, 2006 hat er diese Aufgabe an Ansgar Westermann abgegeben. „Ich gehe aber trotzdem noch mit“, sagt er und berichtet, dass es seine 55. Wallfahrt ist. Vielleicht lässt er sich auf dem Rückweg in Glandorf abholen. „Mal sehen, was ich noch so schaffe“, sagt er.

Auf rund 5000 Menschen ist die Gruppe nun angewachsen, ein imposantes Bild, das viele Schaulustige an die Straßen zieht. Rund 300 Fahnen der einzelnen Wallfahrtsvereine und Gruppen wiegen sich über den Köpfen der Pilgerer. 23 Traktoren der verschiedenen Gemeinden begleiten den Zug und transportieren das Gepäck. Wer eine Marschpause braucht, kann sich auf einem der Traktoranhänger fahren lassen.

Nach dem Auszug aus Oedinghausen bewegt sich der nun weiter gewachsene Zug Richtung Ostbevern. Schließlich sind es sogar 8700 Wallfahrer. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, ist Schomaker begeistert, „die Stimmung ist wie immer toll“. Wieder sind viele junge Menschen dabei, bei der Telgter Wallfahrt liegt das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei unter 30 Jahren. „Was vor allem junge Leute bewegt, bei dem über 90 Kilometer langen Marathon des Glaubens mitzugehen, ist zum einen die sportliche Herausforderung, zum anderen aber auch familiäre Traditionen und seltene Gemeinschafterfahrungen mit dem Glauben, die ihren Reiz noch immer nicht verloren haben“, sagt Schomaker. „Die Menschen sind nah beieinander und nah bei Gott“, fasst es ein Pilgerer aus Hagen zusammen.

Am Sonntagmorgen macht sich die Gruppe nach verschiedenen Pilgermessen in der Telgter Kirche und auf dem Kirchplatz wieder auf den Rückweg. Wieder werden verschiedene Rasten eingelegt, dieses Mal spricht in Oedingberge Kaplan Jürgen Krallmann zu den Wallfahrern. Gegen 19 Uhr findet die 157. Wallfahrt in der Kirche St. Peter und Paul in Oesede ihren Abschluss.