Vermischtes Strafe für den Tippgeber auf Hanfplantage in Meppen

14.07.2009, 22:00 Uhr

Zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, ist der 52-jährige Betreiber einer Hanfplantage in Meppen-Bokeloh vom Schöffengericht Meppen verurteilt worden.

In Bokeloh wurden 2008 im Keller eines Wohnhauses 500 fast erntereife Pflanzen von der Polizei entdeckt und vernichtet. Wie die Untersuchung ergab, hätten über zwölf Kilo Marihuana gewonnen werden können, im Wert von mehreren 10000 Euro.

Der Angeklagte, ein gebürtiger Algerier, legte ein umfassendes Geständnis ab. Er habe aber nur die Versorgung der Gewächse betreut, an der Einrichtung insgesamt sei er nicht beteiligt gewesen. Ein Niederländer habe ihm angeboten, dessen Wohnhaus in Bokeloh zu betreuen. Er sei daraufhin in der Woche ein- oder zweimal hingefahren, um die Pflanzen zu wässern. Vom Hauseigentümer, der sich dort mehrmals mit seiner Lebenspartnerin aufgehalten habe, sei er nur mit kleinen Geldbeträge bezahlt worden. Er wollte, so seine Aussage, mit der Produktion von Marihuana nichts zu tun haben. In den Niederlanden habe er sich an die Polizei gewandt, die ihn an eine verdeckt arbeitende Ermittlungsstelle verwies. Dort sei ihm geraten worden, sich abzusetzen. Er habe dann bei Verwandten in Frankreich gewohnt und gab von dort unter voller Nennung seines Namens und seiner Anschrift erneut bei der Polizei in Hoogeveen den Hinweis auf die Anlage in Bokeloh. Fast ein Jahr später sei er in Frankreich in Haft genommen und nach Deutschland ausgeliefert worden, wo er seit April in Untersuchungshaft sitze.

Laut Anklage stimmte diese Darstellung mit dem Ermittlungsergebnis überein. Aufgrund des Hinweises sei die Polizei in Deutschland informiert worden.

Der Staatsanwalt änderte den Klagevorwurf von einer echten Mittäterschaft in eine Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten für den in Deutschland nicht vorbestraften Angeklagten.

Der Verteidiger zeigte Unverständnis für die Staatsanwaltschaft, die den am Durchsuchungstag in seinem Wohnhaus in Bokeloh angetroffenen Hausbesitzer auf freiem Fuß ließ. Die Niederlande würden den dort derzeit wegen anderer Straftaten in Haft einsitzenden Mann für einen Gerichtstermin nach Deutschland überstellen, aber unter der Voraussetzung, dass sich das Strafmaß am niederländischen Beispiel orientiert. Das bedeute, dass der eigentliche Täter wohl mit einer läppischen Strafe davonkomme, nicht einmal dessen Eigentum am Haus in Bokeloh werde infrage gestellt. Sein Mandant habe, so der Verteidiger, „eine extrem hohe Aufklärungshilfe geleistet“. Es sei ein minderschwerer Fall, der höchstens mit einem Monat Freiheitsstrafe belegt werden könne.

Das Schöffengericht, kam dennoch zu einem Urteil von einem Jahr Haft auf Bewährung. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, der Verurteilte verließ als freier Mann das Gericht.