Vermischtes Spurensuche im Kulturland

26.07.2009, 22:00 Uhr

Wer mit offenen Augen durch die Landschaft geht, findet Spuren aus der Vergangenheit. Nicht auf Schritt und Tritt, aber häufiger als angenommen weisen Wallhecken, Handtorfstiche oder Reste alter Torfverladestationen darauf hin, dass hier einst der Mensch gestaltet hat. Das Emsland-Moormuseum in Groß Hesepe hat eine Spurensuche gestartet.

Die Kunsthistorikerin Christiana Keller und Museumsleiter Michael Haverkamp haben das Projekt „Historische Kulturlandschaften“ jetzt vorgestellt. Es schließt an zwei bestehende Programme an: Unter dem Titel „Historische Kulturlandschaften – Spurensuche in Niedersachsen“ hat der Niedersächsische Heimatbund 1999 eine Kampagne ins Leben gerufen und erfasst unter Mitwirkung vieler engagierter ehrenamtlicher Personen oder Heimatvereine historische Kulturlandschaftselemente.

Diese drohen durch Nutzungsänderung zu verschwinden und werden in einem Kataster geführt, das bestehende behördliche Erfassungssysteme ergänzt und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Auf diese Weise können historisch wertvolle Objekte bei Planungsprozessen berücksichtigt und als wertvolle kulturhistorische Zeugnisse erhalten werden. Das Europäische Netzwerk für Industriekultur wiederum hat das Ziel, europäische Standorte der Industriekultur zu schützen und zu erhalten.

Im Gebiet des Naturparks Bourtanger Moor – Bargerveen gibt es nach Angaben von Michael Haverkamp unter anderem zahlreiche einst von der Torfindustrie genutzte Industrieanlagen wie Koksöfen im Raum Schöninghsdorf, Verladestellen am Süd-Nord-Kanal oder Ähnliches. Die Erfassung dieser Anlagen sei eines der ausgegebenen Ziele. Nachdem die Spuren früherer Kulturen inventarisiert seien, könne man zum einen historische Zusammenhänge erkennen, sie aber bei Bedarf auch der Öffentlichkeit zugänglich machen und das Wissen um die eigene Vergangenheit erhöhen. Es gehe nicht darum, die Objekte auf ewig vor Veränderung zu bewahren.

Bisher seien bereits rund 70 interessante Objekte bekannt, darunter auch besondere Zäune, Eschböden, Fischteiche, Dünengelände, Hudeeichen- und -Wälder, Schleusen, Brücken oder Wehre. Die Ergebnisse der bis zum kommenden Jahr andauernden Arbeit sollen in einer Ausstellung und einem Katalog präsentiert werden.

Eine Tagung in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg wird zudem dann weiteren interessierten Personen das Handwerkszeug für die eigene Spurensuche in anderen Gebieten des Emslandes vermitteln, sodass das Projekt weitergeführt werden kann. Die Daten fließen in niedersachsenweite Datenbanken ein.

Christiana Keller ist bis dahin an Meldungen weiterer interessanter Spuren der Vergangenheit interessiert. Sie ist im Moormuseum (05937/709990) zu erreichen.