Vermischtes Spektakuläre Wandspuren

05.12.2002, 23:00 Uhr

In der Stille der Höhle von Chauvet – Arte Samstag 20.45 Uhr ,,Das ist so intim, so persönlich. Es erzählt viel über die Menschen, die hier waren – das ist das Verrückte." Der Künstler John Berger steht fassungslos in einer verlassenen ,,Wohnung" in Südfrankreich und betrachtet die Bilder, mit denen die ehemaligen Bewohner die Wände verziert haben. Was verraten sie?

Dass es mindestens eine Frau und ein Mann waren, zum Beispiel – die roten Abdrücke ihrer Handteller lassen darauf schließen. Und dass es Mammuts gegeben hat, Pferde und – Löwen. Das war damals, vor 32000 Jahren. Die Menschen lebten in Höhlen, und in einer von ihnen steht John Berger.

1994 schenkte Hobby-Höhlenforscher Jean-Marie Chauvet auf einem Spaziergang dem Luftzug aus eine Felsspalte die nötige Beachtung - er begann zu graben und stieß schließlich auf einen Gang, der in eine weit verzweigte Höhlenlandschaft führte. Die Sensation war perfekt: Die Räume der Chauvet-Höhle sind aufgrund günstiger klimatischer Bedingungen so gut erhalten, dass sie Prähistorikern reiche Gelegenheit bieten, mehr über die kulturellen Wurzeln der Menschen von heute zu erfahren.

Um den Zustand der Höhle nicht zu gefährden, ist sie nicht für jeden zugänglich. Ein Arte-Fernsehteam begleitete den Schriftsteller, Kunstkritiker und Maler John Berger, seit kurzem Mitglied der Forschergruppe, bei seinem ersten Besuch in der Höhle. Die beeindruckte Reaktion Bergers ist nicht verwunderlich: Die Zeichnungen lassen konkrete Rückschlüsse auf die Arbeitsweise der Maler zu, die Grenzen der Zeit scheinen beim Lesen der Zeichen fast überbrückt werden zu können.

,,Sehen Sie, hier hat sich der Maler mit der linken Hand abgestützt, um leichter die Mähne des Pferdes malen zu können", erklärt eine Forscherin – schon kann man sich leicht einen Jungsteinzeitler beim Dekorieren seiner Wohnung vorzustellen.

Die Erforschung und Interpretation dieser Höhle steht noch am Anfang, und so präsentiert sich auch die Dokumentation wie ein Zwischenbericht. Da werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, mehr spekulierende Wissenschaftler als Fakten gezeigt. Der Film steht auf gleicher Höhe mit den Forschern, und so fängt er auch ungefiltert ihren Enthusiasmus ein. Eine ungewöhnliche Reise in die Vergangenheit unserer Kultur, zufällig bei einem Spaziergang entdeckt.