Vermischtes Solarenergie: Der große Knick wird erst 2003 erwartet

16.12.2002, 23:00 Uhr

Vor einem Jahr hat die neue Ratsmehrheit von CDU und FDP die Öko-Auflagen für Bauherren abgeschafft, um junge Familien zu entlasten. Seitdem werden in Osnabrück zwar weniger Solaranlagen als in den Boomjahren zuvor installiert, allerdings lässt sich der Rückgang nicht allein auf die neue Regelung zurückführen. Auch bundesweit hat es einen Knick gegeben. Ein drastischer Schnitt wird aber für 2003 erwartet.

Im Baugebiet "Auf dem Klee" in Haste ist es deutlich zu sehen: Auf den Reihenhäusern, die bis vor einem Jahr fertiggestellt wurden, blitzen schwarze Kästen in der Sonne – Sonnenkollektoren für die Brauchwassererwärmung. Direkt daneben, Baujahr 2002, sind die Dächer frei von solchen Aufbauten. Ursula Stockmann von der Baufirma Urbania Bauen & Wohnen bestätigt, dass es einen Zusammenhang gibt: "Wir haben die Kollektoren angeboten, doch das findet bei den Bauherren nicht die Resonanz, weil es ein Kostenfaktor ist".

Wer bis Ende 2001 ein Baugrundstück von der Stadt erwarb, musste zusätzlich zum Kaufpreis eine Sonderabgabe in Höhe von 4000 Mark leisten. Dieses Geld wurde zurückgezahlt, wenn sich der Bauherr entschloss, eine Solaranlage für die Brauchwassererwärmung zu installieren. Tat er es nicht, flossen die 2000 Euro dem Verein für Umweltschutz durch Photovoltaik (PVO) zu, der damit Solaranlagen für die Stromerzeugung bauen sollte.

In der Praxis ist es jedoch nie dazu gekommen, wie PVO-Vorstandsmitglied Peter Horenburg gestern bestätigte: Alle betroffenen Bauherren, so lautet der Umkehrschluss, haben sich demnach für die Kollektoren auf dem eigenen Dach entschieden, statt dem Verein das Geld zu schenken.

Nach einer Erhebung von Umweltdezernent Dr. Dieter Zimmermann sind bis zum Oktober 2002 in Osnabrück noch etwa 60 Solaranlagen für die Brauchwassererwärmung gebaut worden. Das entspricht hochgerechnet ungefähr dem Durchschnitt, der in den Vorjahren bei 75 Anlagen gelegen hatte. Die meisten Kollektoranlagen, die in diesem Jahr auf Osnabrücker Dächern entstanden sind, gehen allerdings noch auf die Kaufverträge mit der 4000-Mark-Klausel zurück, und diese Klausel läuft langsam aber sicher aus. Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Grün und Umwelt, rechnet mit einem gravierenden Einbruch für 2003.

Parallel dazu gibt es einen bundesweiten Nachfrageknick. Von einem 30-prozentigen Umsatzrückgang spricht Claus Stickann, Geschäftsführer des Osnabrücker Fachbetriebes Rainbows End Solartechnik. Allerdings gebe es kurz vor Jahresende noch ein kleines Zwischenhoch.

Auch die Photovoltaik, also die Stromerzeugung durch Solarzellen, beschere seinem Unternehmen im Augenblick einen Auftragsboom. Allerdings nur bis Ende Dezember, meint Stickann, denn wer sein Kleinkraftwerk auf dem Dach erst im Januar anschließt, bekommt für den eingespeisten Strom fünf Prozent weniger.

Nur fünf solcher Dachkraftwerke sind 2002 nach der Statistik des Umweltdezernats in Osnabrück gebaut worden – zum Teil mit Unterstützung der Bundesumweltstiftung, zum Teil mit dem Geld vom PVO. In den Vorjahren lag die Zahl teilweise sechsmal so hoch. Osnabrück galt Ende der 90er Jahre als solare Musterstadt, weil durch die Öffentlichkeitsarbeit des Fachbereichs Grün und Umwelt weit mehr Photovoltaikanlagen installiert wurden als im Bundesschnitt. Doch davon spricht im Augenblick niemand mehr.