Vermischtes Sie kann abstrakt und mehr

31.08.2009, 22:00 Uhr

Vor ihrem Arbeitstisch öffnet sich ein einzigartiger Blick auf Felder, Wiesen und Wälder irgendwo zwischen Wersche und Himbergen. Beim Malen aber sieht Karin Bergmann von alldem nichts, denn dazu begibt sie sich vorzugsweise auf den Fußboden. Das liegt nicht daran, dass sie wirklich überaus sportlich ist, sondern erklärt sich vielmehr aus der Beschaffenheit ihrer Bilder.

Die Farben nicht selten mit dem Spachtel aufgetragen, verschiedene Schichten, die ein plastisches Gesamtbild mit feinen Schattierungen ergeben; Collagen mit Borke, Schiefer, Draht – Karin Bergmanns Bilder machen was her. „Ich bin mehr so der Abstraktler“, sagt sie von sich, um gleich darauf einzuräumen: „Ich kann aber auch anders!“

Das wird mehr als deutlich bei ihrem Bildensemble „Varusschlacht“. Der eine Teil ist tiefrot, wie blutgetränkt, der andere zeigt den bekannten Fund aus Kalkriese, die römische Maske. Dabei erreicht Karin Bergmanns stilisierte Darstellung dieser Maske sehr viel Tiefe, nimmt durch ihren Kontrast und metallischen Glanz den Betrachter gefangen. „Ja, das Bild liegt mir besonders am Herzen. Deshalb könnte ich mir gut vorstellen, ja, würde mir sogar wünschen, dass es – am besten im thematischen Zusammenhang des Varus-Jahres – im öffentlichen Raum zu sehen wäre“, sagt die Malerin.

Die Idee zum Bild kam ihr wie immer beim Laufen. Mit dieser Idee im Kopf wird dann zu Hause probiert, verworfen, verändert, vollendet. Auf dem Fußboden, wie gesagt. „An der Staffelei würde der Farbauftrag nicht an Ort und Stelle bleiben“, erklärt sie ihre ungewöhnliche Arbeitshaltung. Dieser Farbauftrag erfolgt in Acryl, oft durch silberne oder goldene Elemente ergänzt. „Aber: Es darf nix glitzern, der Glanz soll nur verstärken“, das ist Karin Bergmann wichtig.

Sie malt seit etwa zehn Jahren, hat seinerzeit mit Aquarellfarben angefangen. „Aber diese Technik brachte nicht die Ausdrucksstärke, die ich haben wollte“, erinnert sie sich. Starker Ausdruck, starke Frau: Karin Bergmann ist sei 15 Jahren Übungsleiterin für Gesundheitssport in den Turnvereinen in Bissendorf und Schledehausen und verfügt überdies auch noch über eine starke Stimme, mit der sie den Achelrieder Gospelchor „Shine“ unterstützt. Außerdem fährt sie leidenschaftlich gern Motorrad.

Sie ist also viel in Bewegung – und braucht wohl deshalb die Ruhe, die sie bei der Malerei erfährt. „Beim kreativen Schaffensprozess kann ich wunderbar abschalten“, verrät sie. Die Ergebnisse dieses Schaffens können derzeit im Café-Restaurant „Waldwinkel“ in Spelle oder nach telefonischer Rücksprache unter 05402/4450 oder 0176/66112907 bei Karin Bergmann selbst besichtigt und natürlich auch käuflich erworben werden. Zudem wird die Bissendorferin auf der Kreativen Meile in Melle, 3. bis 21. Oktober, vertreten sein.