Vermischtes Schulte: Chemie stimmte nicht mehr

29.12.2002, 23:00 Uhr

Unter keinem guten Stern steht am Silvesterabend der Jahresabschlussgottesdienst in der Bramscher Johanniskirche: Denn es wird nicht nur das alte Jahr verabschiedet; vielmehr feiert zum vorläufig letzten Mal Pastorin Annegret Smid mit „ihrer“ Gemeinde den Gottesdienst.

Die Seelsorgerin hat nach knapp drei Jahren Anfang Dezember dem Gartenstädter Kirchenvorstand mitgeteilt, dass die Basis für eine gedeihliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit in Zukunft nicht mehr gegeben sei, und ihren Rücktritt von der Pfarrstelle erklärt. In einem Gespräch machte Frau Smid gestern keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. „Es ist traurig, dass es so kommen musste“, sagte die Pastorin und führte ihren Entschluss auf „unüberbrückbare Differenzen mit Teilen des Kirchenvorstandes“ zurück.

Bis Mitte des Jahres hat es die geborene Emdenerin, die nach zwölf Jahren Pastorat in Diepholz Ende 1999 nach Bramsche gewechselt ist, nicht für möglich gehalten, dass die „Verweigerung zur Mitarbeit in Schikanen ausarten“ würde, und sprach davon, „weggemobbt“ worden zu sein. Frau Smid erklärte weiter, die „unheimlich negativen Erfahrungen nervlich nicht mehr ausgehalten“ und sich HIlfe suchend an Landessuperintendentin Doris Jansen-Rechke gewandt zu haben.

„Ihr Angebot habe ich gerne angenommen“, fiel Frau Smid der Verzicht auf die Gemeindearbeit schwer, sagte aber schließlich doch zu, am 2. Januar in Osnabrück eine übergemeindliche Seelsorgerstelle im Kirchenkreis Osnabrück anzunehmen. Die Landessuperintendentin erklärte gestern, dass nach Lage der Dinge die Fürsorgepflicht ihr keine andere Wahl gelassen habe, als Frau Smid „kraft meines Amtes“ die Möglichkeit zu eröffnen, in Ruhe wieder gesund zu werden.

„Die Vorwürfe sind mir zu Ohren gekommen“, bestätigtete Frau Jansen-Reschke, brieflich und fernmündlich eingeweiht worden zu sein, und fügte aber gleich hinzu, den unterschiedlichen Meldungen im Einzelnen nicht nachgegangen zu sein. Im Übrigen habe es keinen konkreten Anlass gegeben, einzuschreiten und etwa die Schuldfrage auszuloten.

Es sei jetzt vorrangig Aufgabe des Kirchenvorstandes, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen und eine für die Kirchengemeinde optimale Lösung zu erarbeiten. „Soweit darf es erst gar nicht kommen“, forderte die Landessuperintendantin die Leitung von St. Johannis auf, bereits im Vorfeld alles zu tun, damit die gemeinsame Aufgabe nicht Schaden nehme.

Dieter Schulte ist „traurig und unglücklich zugleich“. Der langjährige Kirchenvorstand von St. Johannis sprach von einer „gedrückten Stimmung“, die seit Wochen von einer „Gerüchteküche“ heraufbeschworen worden sei. Frau Smids Arbeit werde diese Entwicklung nicht gerecht. Jürgen Herpin verwies ergänzend darauf, dass die Geistliche „sehr korrekt, fleißig und gewissenhaft“ der Gemeinde gedient habe. Mit ihrem Namen sei die gelungene Feier des 40jährigen Bestehens der Gartenstädter Gemeinde verbunden.

Schulte erwähnte ferner, dass sich Frau Smid mit Erfolg um die Skulptur bemüht und verdient gemacht habe, die im Oktober vor der Kirche als Mahnmal für die im Zweiten Weltkrieg nach Bramsche verschleppten Zwangsarbeiter aufgestellt wurde. „Die persönliche Chemie hat wohl nicht gestimmt“, versuchte der Ruheständler „den Ansatz eines Erklärungsversuches für die vielschichtige Problematik“.

Annegret Smid bedauerte, dass die so wichtige, ehrenamtlich geleistete Mitarbeit zuletzt nicht, wie erhofft, abrufbar gewesen sei, und gestand ein, „sich allein auf weiter Flur gefühlt“ zu haben und „mit einer solchen Gegnerschaft nicht umgehen“ zu können. Konflikte gebe es immer wieder; aber die Pastorin vermisste die Bereitschaft in allen Teilen des Kirchenvorstandes, sich offen gegenüberzutreten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Geht es nach Christoph Wolke aus Epe, soll dies im neuen Jahr anders werden. Smids ehrenamtlicher Vertreter im Kirchenvorstand ist nämlich entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen, nicht nachzukarten und zum Wohl der Johannis-Gemeinde nach vorne zu gucken. Der Pastorin jedenfalls wünschte Wolke „für die Zukunft alles Gute und Gottes Segen“.