Vermischtes Schadenersatz bei nassem Grünland?

19.12.2002, 23:00 Uhr

Die Biologische Station des Kreises Steinfurt hatte bei der Europäischen Union den Antrag gestellt, 245 Hektar im nördlichen Westerkappeln in drei Zonen zu vernässen, um für die Vogelwelt besser Lebensbedingungen zu schaffen. Brüssel und das Land Nordrhein-Westfalen gaben grünes Licht. Beide wollten sich die Kosten von viereinhalb Millionen Euro teilen. Zum Teil sind die Ländereien in der Düsterdieker Niederung Eigentum des Landes, aber für das Naturschutzprojekt wollte es weitere kaufen.

Die Landwirte, teils Pächter dieser Flächen, protestierten: Das Grünland sei ohnehin schon viel zu feucht und die Futterqualität daher schlecht. Sie fürchten um die Existenz ihrer Betriebe – zumindest um ihre Entwicklungsmöglichkeiten.

Im Oktober stellte das Kölner Büro für Faunistik ein Gutachten vor, nachdem eine Vernässung für viele Vogelarten nicht erforderlich ist. Manche von ihnen seien sogar auf gemähtes Grünland angewiesen. Im November hat Thomas Neiss vom Umweltministerium den Landwirten ein Angebot gemacht, mit dem er die Interessen beider Gruppen abdecken will. Sein Konzept: Es geht nicht mehr um 245 Hektar große Zonen, sondern um die gesamte Düsterdieker Niederung. Er sprach von einer 750 Hektar großen Fläche, für die sowohl Landwirte als auch Naturschützer eine gemeinsame Bewirtschaftungs- und Bewässerungskommission bilden sollen.

Neiss schlug den Landwirten vor, die ursprünglichen Zonen in der Düsterdieker Niederung nur teilweise zu vernässen – oder schrittweise so, dass Nachbarflächen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieses Konzept ist die Grundlage für weitere Verhandlungen.

Gestern verschickten 15 Landwirte einen Brief in mehreren Ausfertigungen nach Brüssel, nach Düsseldorf und zu ihren Verbänden. Sie fordern, dass 50 Prozent des Grünlandes in der Düsterdieker Niederung intensiv oder mittelintensiv und 45 Prozent extensiv genutzt werden darf. Fünf Prozent sollen für Pflege- und Wasserflächen sowie für nasses Grünland zur Verfügung stehen. Eine Vernässung in den drei Zonen lehnen die Landwirte ab. Sie wollen stattdessen mosaikartig angelegte Feuchtflächen mit Ringgräben, die das umliegende Grünland vor Nässe schützen.

Die gemeinsame Bewirtschaftungskommission stellen sich die Landwirte so vor: Je sechs Vertreter der Landwirtschaft und der Biologischen Station sowie ein Vertreter der Landwirtschaftskammer sind stimmberechtigt. Gleiches gilt für die Bewässerungskommission. Die Landwirte wollen außerdem, dass das Land haftet, wenn ihnen Einbußen durch vernässte Flächen entstehen.