Vermischtes Saubere Hände gegen böse Keime

10.07.2009, 22:00 Uhr

Resistente Krankheitserreger, die auf die Behandlung mit den gängigen Antibiotika nicht ansprechen, werden immer mehr zur Gefahr in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Unter dem Motto „Saubere Hände“ hat das Johanniter-Krankenhaus jetzt diesen gefährlichen Mikroorganismen verstärkt den Kampf angesagt.

In Fachkreisen haben die gefährlichen Erreger einen Namen: ORSA oder MRSA. Die Abkürzungen stehen für Oxacillin-resistenter Staphylococcus aureus oder – im zweiten Fall – Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Der Staphylococcus ist ein kugelförmiges Bakterium, das bei vielen Menschen im Nasen-Rachen-Raum vorkommt, ohne dass sie dabei krank sind. Die Immun-Abwehr hält den Übeltäter in Schach.

Kranke oder alte Menschen und solche mit einem geschwächten Immunsystem sind allerdings oft empfindlicher gegenüber Infektionen. Eigene oder von anderen übertragene Staphylococcen können dann zu schweren Erkrankungen führen, die normalerweise aber gut durch Antibiotika zu beherrschen wären. Vorausgesetzt, die Erreger gehören nicht zu den resistenten. Ärzte müssen dann sogenannte Reserve-Antibiotika einsetzen wie beispielsweise Vancomycin. Auch hier wurden aber bereits erste Resistenzen gemeldet. Als Hauptgrund für die wachsende Bedrohung sehen Fachleute die in Deutschland relativ großzügige Verordnung von Antibiotika.

Schätzungen zufolge sterben inzwischen jährlich in Deutschland rund 1300 Menschen an Infektionen mit einer besonders aggressiven Staphylococcen-Art. Anders ist das in den Niederlanden – hier hat man das Problem weitgehend im Griff, und das in erster Linie wegen konsequenter Hygienemaßnahmen und einer engmaschigen Überwachung der Patienten.

Konsequente Handhygiene war denn auch einer der Hauptbestandteile der Aktion „Saubere Hände“ im Johanniter-Krankenhaus, die unter Schirmherrschaft der Berufsgenossenschaft und in Zusammenarbeit mit Betriebsarzt Dr. Chr. Laude und der Hygienefachkraft des Hauses, Helmut Romeike, stattfand. Spontane Untersuchungen der Hände sowie Training und Überprüfung der Händedesinfektion in der Schwarzlichtbox gehörten dazu, verbunden war die Aktion mit Informationen zum Hautschutz und einem Quiz, an dem sich 42 Mitarbeiter vor allem aus dem Pflegebereich beteiligten.

Besonders die Schwarzlichtkamera kann für jeden verräterisch werden, der es einmal mit der Reinlichkeit nicht so genau nehmen sollte. Dreißig Sekunden lang müssen die Hände zwischen jedem Patientenkontakt nämlich in den verschiedenen Richtungen mit einem speziellen Mittel eingerieben werden, zwischen den Fingern, die Hand- und Fingerrücken, die Fingerkuppen und das Nagelbett. Auch unter dem Ehering dürfen keine Erreger ein Rückzugsgebiet finden – die Kamera würde das sofort verraten, weiß Romeike. Im Übrigen werden auch kleinste Hautschädigungen unter dem Licht sichtbar – auch sie könnten eine Eintrittspforte für das gefährliche Bakterium sein.

„Die Aktion dient den Patienten wie dem Personal“, unterstrich Hygienebeauftragter Romeike. Krankenhäuser dürften in Bezug auf resistente Keime auch nicht nur als Risikoherd gesehen werden, ergänzte Geschäftsführer Hans Elbeshausen. „Hier haben wir auch die größte Chance, bei konsequenter Hygiene die Infektionskette zu unterbrechen.“ Wenn Tests eine Besiedlung mit MRSA-Keimen ergeben haben, werden Patienten isoliert. Die betroffenen Körperregionen werden saniert, das heißt mit antiseptischen und desinfizierenden Lösungen behandelt. Das Personal trägt dabei Schutzkleidung ebenso wie mögliche Besucher, die sich anschließend ebenfalls die Hände desinfizieren müssen.

Mit ihren Mitarbeitern waren Romeike, Elbeshausen und Pflegedienstleiterin Annette Wehmeyer jedenfalls sehr zufrieden. Die Tests zeigten saubere Hände und respektables Wissen. Aus den Reihen der Quiz-Teilnehmer zog schließlich eine Glücksfee die Fragebögen von Kerstin Santowski und Damian Marscholl. Sie dürfen sich über Geschenkgutscheine freuen.