Vermischtes Satirische Wortmeldungen über die Guten und die Bösen

27.06.2008, 22:00 Uhr

Das Leben könnte so einfach sein, wenn die Politiker und das Volk nicht zwei völlig gegensätzliche Spezies Menschen wären. Wie kompliziert das Beziehungsgeflecht zwischen beiden Welten ist, das zeigten die Abiturienten des Bad Iburger Gymnasiums am Donnerstagabend in ihrem Theaterstück „Das Volk bin ich“.

Es ist eine schöne Tradition, dass die Schulabgänger des Gymnasiums kurz vor ihrer Entlassung ein Theaterstück einstudieren. Dieses Mal haben 25 der 90 Abiturientinnen und Abiturienten unter der Regie von Deutsch- und Kunstlehrer Horst Blotenberg sozialpolitischen Zündstoff auf die Bühne gebracht, und zwar in Form von 17 kabarettistischen Szenen des Jugendtheaterautors Walter Brunhuber. In der zweieinhalbstündigen Aufführung nahmen sie die Kluft zwischen Politikern und Volk aufs Korn, die bekanntermaßen dadurch entsteht, dass jeder von sich meint, zu den Guten zu gehören, weil die anderen eben die Bösen sind.

Zu Wort kam unter anderem eine Jungunternehmerin, die der Meinung war, dass bezahlter Urlaub ein Relikt aus der sozialen Marktwirtschaft sei und sozial eingestellte Altunternehmer sowieso auf den Schrottplatz der Wirtschaftsgeschichte gehörten. Eine Motorradfahrerin forderte die Politiker auf, die Geschwindigkeitsbegrenzungen abzuschaffen, weil die die persönliche Freiheit einschränkten.

Ein Hotelboy hingegen bemitleidete die Reichen und Schönen wegen ihrer hohen Steuerabzüge, und eine Abgeordnete bemitleidete sich selbst, weil sie eine Rede schreiben muss, die möglichst nichtssagend ist. Ein Mitglied des Bundestages fand, dass es für Abstimmungen durchaus reicht, wenn im Bundestag einer Bescheid weiß und den anderen dann sagt, wie sie abzustimmen haben. Schließlich könne ja nicht jeder abstimmen wie er wolle, „sonst kann alles Mögliche dabei herauskommen“.

Eine Politikerspezialistin klärte in ihrem wissenschaftlichen Vortrag darüber auf, was die Spezies Politiker überhaupt ist und wie man als Mensch am gefahrlosesten mit ihr umgeht. Auffallend war, dass die ganze Vorstellung aus Monologen bestand, in denen die Akteure nach Herzenslust über den anderen herziehen konnten.

Durch die Vorstellungen führten gewissermaßen zwei Putzfrauen, die eigentlich das Forum des Gymnasiums reinigen wollten und nun warten mussten, bis die Vorstellung vorbei war. Sie gaben zu jeder Szene ihren Senf dazu, protestierten oder pflichteten bei. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass die beiden Frauen aus Deutschland und der Türkei ebenso vorurteilsbesetzt waren wie die Darsteller selbst. Am Ende lösten sich die Vorurteile der beiden Frauen aber in Staub auf, durch ihren Dialog stellten sie fest, dass die andere ein ganz normaler Mensch ist. Die Erkenntnis der Putzfrauen könnte die Botschaft des Stückes sein: Redet mehr miteinander statt übereinander.