Vermischtes Rummenigge/FIFA: Ton versöhnlich, Forderungen hart

06.09.2011, 14:28 Uhr

Hart in der Sache, aber deutlich versöhnlicher im Ton: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ist in seiner Auseinandersetzung mit Sepp Blatter wieder ein Stück auf den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes FIFA zugegangen.

«Ich hatte in der letzten Woche ein Telefonat mit Blatter. Ich wollte diesen aggressiven Ton eigentlich nicht treffen. Das war nicht fair ihm gegenüber», sagte der Vorstands-Chef von Bayern München nach einer Versammlung der europäischen Club-Vereinigung ECA in Genf.

Rummenigge ist der Vorsitzende der 201 Mitglieder starken ECA und richtete in dieser Funktion auch einige deutliche Worte an die FIFA und die Europäische Fußball-Union UEFA. So fordern die Clubs von den Verbänden mehr Demokratie und Transparenz, ein Mitspracherecht bei der Erstellung des internationalen Terminkalenders und vor allem die schon lange thematisierten Entschädigungen für die Abstellung ihrer Nationalspieler. «Es ist an der Zeit, dass die Clubs mitbestimmen können. Ohne uns und unsere Spieler läuft das Geschäft nicht. Das haben die Verbände anzuerkennen», meinte der 55-Jährige.

Anders, als Rummenigges jüngste Interview-Äußerungen es vermuten lassen, möchten die Vereine ihre Positionen aber offenbar im Konsens mit FIFA und UEFA durchsetzen und nicht durch Konfrontation. «Er (Blatter) hat das Zeichen gegeben, dass er bereit ist für Reformen. Das ist das Wichtigste», betonte der ECA-Chef in Genf. «Die Korruptionsgerüchte müssen aufhören, weil sie dem Fußball einen großen Image-Schaden zufügen. Aber ich kann nicht beweisen, was davon wahr ist und was nicht.» Zuletzt hatte Rummenigge die FIFA noch als «Korruptionsstadel» bezeichnet und Blatter mit dem ehemaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak verglichen.

Konkret forderte die Club-Vereinigung am Dienstag, einige Länderspiel-Termine zu streichen und die Vereine an den Einnahmen der großen EM- und WM-Turniere zu beteiligen. «Wir müssen wieder eine Balance zwischen den Interessen der Verbände und der Clubs finden», meinte Rummenigge. In den vergangenen Jahren seien immer mehr Termine für die Nationalteams hinzugekommen. «Eine prozentuale Beteiligung an den Einnahmen ist der fairste Weg, besser als eine Fixsumme. Und ich bin nicht allzu pessimistisch, dass wir das auch erreichen können.»

Hintergrund dieses Streits ist, dass die Spieler ausschließlich von den Vereinen bezahlt und versichert werden, aber auch regelmäßig in den Nationalmannschaften zum Einsatz kommen. Dafür wollen die Clubs finanziell entschädigt werden. «Nonsens-Termine wie im Juni und August werden wir nicht länger akzeptieren», sagte der Bayern-Boss.

Auch hier gilt jedoch, dass die Vereine die Verbände vorerst nicht weiter unter Druck setzen wollen. Noch im August hatte Rummenigge in seinem Interview mit dem Schweizer Magazin «Bilanz» erklärt, dass ein Agreement zwischen ECA, FIFA und UEFA 2014 ausläuft und «wir danach nicht mehr gebunden sind, die Regularien der FIFA zu akzeptieren». Theoretisch, so die Drohung, sei dann auch eine Champions League ohne Verbände möglich. In Genf ruderte Rummenigge jedoch zurück: «Unser Ziel ist nicht, auszubrechen, sondern eine gute Lösung zu finden.»