Vermischtes Ruhige Weihnachten bei der Arbeit?

25.12.2002, 23:00 Uhr

„Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps“, bringt es die Taxifahrerin Renate Lohbeck auf den Punkt. Wie viele andere Menschen musste sie auch an den Feiertagen arbeiten. Für die meisten ist es allerdings ein Stück Normalität und gehört wie Spekulatius und Marzipan zu Weihnachten.

„Ich weiß, dass ich Schichtdienst machen muss und habe kein Problem damit“, erzählt Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Kaiser. Auch seine Familie hat sich damit arrangiert, immerhin arbeitet Kaiser seit 1971 an Weihnachten. Je nach Dienstanfang haben sie die Bescherung vor- oder zurückverlegt, als seine Kinder noch klein waren. Ein kurzen Augenblick wird der Polizeihauptkommissar doch etwas wehmütig. „Wenn man Dienst hat und von Schlägereien bei Familien hört, dann sagt man sich, man könnte jetzt schön zu Hause sitzen“, erzählt er.

In diesem Jahr waren es aber „friedliche Weihnachten“ sagt Karl-Heinz Kaiser und meint damit, dass wenig los war. „Wir haben uns richtig erschrocken“, gibt er an. Früher hätte es am Heiligen Abend Ladendiebstähle oder Verkehrsunfälle gegeben. Abgesehen von ein paar Schlägereien sei aber dieses Mal nichts passiert.

Ganz normale Weihnachten erlebte Renate Lohbeck, die sie zum Teil in ihrem Taxi verbrachte. Den Heiligen Abend feierte sie mit ihrer Tochter, ihren Enkelkindern, Entenbraten und „allem Drum und Dran“. An den beiden Weihnachtsfeiertagen chauffierte sie Fahrgäste. „Man wäre zwar gerne zu Hause, aber einer muss es ja tun“, sagt sie.Armin Mock war über Weihnachten daheim, musste aber dennoch arbeiten. Der stellvertretende Betriebsleiter der Osnabrücker Entwässerung hatte Bereitschaftsdienst. Wenn ein Kanal verstopft gewesen wäre, hätte er seine Leute zusammentrommeln und eventuell selber mitfahren müssen. Früher habe er quasi mit einer Hand Geschenke ausgepackt und mit der anderen das Telefon in der Hand gehalten. „Mit der Zeit kommt die Routine“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Weihnachten 2002 war es aber ruhig. Nur ein Mal mussten seine Kollegen rausfahren: Einem Bürger waren die Schlüssel in einen Gully gefallen.

Ruhige Weihnachten verlebte auch Schaltwärter Klaus Ott im Notdienst der Stadtwerke. Seine Aufgabe war es, die Elektrik in Osnabrück zu überwachen und Techniker vor Ort zu schicken, wenn kein Strom aus der Steckdose kommt, um die Beleuchtung des Tannenbaums anzuschalten. Zum Glück vertrat ihn ein junger Kollege am 24. Dezember, so dass er bei seiner Familie sein konnte. „Es ist schon ein komisches Gefühl, am Heiligen Abend nicht zu Hause zu sein“, sagt er. Für Schwester Rita ist der Dienst an den Feiertagen auf der Krebsstation im Klinikum nichts Neues. Sie macht es seit 18 Jahren. Ihre Patienten sind schon länger auf ihrer Station und haben sich damit abgefunden. „Wir laufen aber nicht traurig durch die Weltgeschichte, sondern sind fröhlich. Das macht viel aus“, meint sie.

Viel zu tun hatte in diesem Jahr die Feuerwehr. Sie versorgte die Fahrgäste der Bahn, die am Hauptbahnhof festsaßen. Hauptbrandmeister Helmut Bergmann arbeitet seit 31 Jahren an Weihnachten. Die Bescherung dauerte früher manchmal nur zehn Minuten. Er ist dann mit einem Kollegen nach Hause gefahren und hat seine zwei Kinder beschenkt, die damals noch nicht so viel Verständnis dafür hatten, dass der Papi arbeiten musste.

Wer sich schon an den Feiertagen den Weihnachtsspeck abarbeiten wollte, konnte dies im Royal’s-Fitness-Studio am Bahnhof erledigen. Dort wurde ein spezielles Trainingsprogramm angeboten, mit dem per Gewichte Kalorien verbrannt werden konnten. Jürgen Sievers, der über die Feiertage in dem Fitness-Studio arbeitete, sah seinen Dienst locker. Er war trotz Arbeit im Kreis seiner Familie, denn seine Schwester ist auch gleichzeitig seine Chefin.