Vermischtes Richter gibt Einbrechern letzte Chance

10.07.2009, 22:00 Uhr

Im Knast in Hameln lernten sich die beiden Angeklagten näher kennen. Als sie schließlich zur Bewährung auf freien Fuß kamen, wollten sie nach vier Jahren Pendelei zwischen Straftaten, Gerichtssälen und Knast eigentlich etwas aus ihrem Leben machen. Eigentlich. Vor dem Jugendschöffengericht ging es jetzt einmal mehr um ihre Freiheit.

Als der 19-Jährige und der 23-Jährige in ihrer Heimatstadt Osnabrück gemeinsam ihre neu gewonnene Freiheit genossen, sich regelmäßig in der Stadt trafen, etwas trinken gingen und eifrig Geld ausgaben, bekamen sie allzu schnell ein Problem: „Wir wussten nicht mehr, wie wir das finanzieren sollten“, berichtete der jüngere der beiden Angeklagten dem Gericht. Bargeld musste her, so viel stand fest. Also machten sie Gebäude und Räume ausfindig, wo sie möglichst ungestört welches finden konnten – oder Elektroartikel, um diese anschließend zu Geld zu machen.

Zunächst schnappten sie sich bei einem unerlaubten Besuch in der Erich-Maria-Remarque-Schule Bargeld, Schlüssel, MP3-Player und Handys. Und dann fanden sie im Sportzentrum der Judo Crocodiles nach einem Fensteraufbruch eine Geldkassette im Tresor.

Neben diesen beiden gemeinschaftlich begangenen Raubzügen musste sich der 19-Jährige noch wegen dreier weiterer Anklagepunkte verantworten: Er hatte sich an diversen Computerteilen in der Käthe-Kollwitz-Schule vergriffen und außerdem die Seitenscheibe eines Pkw eingeworfen, was für ihn allerdings ohne materiellen Erfolg blieb – dank eines aufmerksamen Passanten.

Auch der Versuch, sich mithilfe von Kieselsteinen den Weg ins Innere eines Kleintransporters zu ebnen, führte nicht zum gewünschten Erfolg: Die Scheibe war zwar kaputt – doch der Inhalt des Wagens unerwartet unattraktiv: „Das war ein Telekom-Auto, ich wollte gucken, ob da Handys drin sind.“

Beide Angeklagte standen vor Gericht zu ihren Straftaten: „Es war genauso, wie der Staatsanwalt vorgelesen hat“, räumte einer der beiden ein. Schon in den ersten Minuten der Verhandlung zeigten sich die beiden nicht nur geständig, sondern auch schuldbewusst: Er sei verantwortungslos von ihnen gewesen, sagte der 19-Jährige und fügte selbstkritisch hinzu, dass er die Hände, die man ihm helfend entgegengestreckt habe, stets „arrogant abgelehnt“ habe. Er sei faul gewesen.

All das sei jetzt anders: Er habe Ziele, wolle seinen Realschulabschluss nachholen und habe sich schon aus der Untersuchungshaft heraus informiert, unter welchen Bedingungen dies in einem VHS-Kurs möglich sei. Auch die Nachhilfe, die er dabei möglicherweise von seiner 21-jährigen Schwester brauche, habe er sich schon organisiert.

Der 23-Jährige wirkte zwar weniger euphorisch, doch nicht weniger motiviert. Die Taten habe er aus einem „Misch aus Kick, Geldnot und Dummheit“ begangen, räumte er ein. Jetzt wolle er endlich etwas aus seinem Leben machen. Am liebsten würde er arbeiten, und zwar dort, wo er vor seiner Karriere als Bewährungsversager schon seine Arbeitskraft eingesetzt hatte: Als Montagehelfer war der junge Mann bei einem Osnabrücker Unternehmen bereits an Aufträgen in Belgien und Tschechien beteiligt gewesen. Wie ein vom Verteidiger vorgelegtes Arbeitszeugnis zeigt, würde die Firma den Geständigen auch sofort wieder einstellen, wenn er seine Reststrafe abgesessen hat.

Das kann sie nun auch: Im Hinblick auf ihre Geständigkeit und ihre Zukunftspläne wurde das Strafmaß für beide Angeklagten zur Bewährung ausgesetzt: Während der 19-Jährige mit einem Jahr und drei Monaten Jugendstrafe bedacht wurde, griff für den 23-Jährigen das Erwachsenenstrafrecht mit einem Jahr Freiheitsstrafe. Die Vorsitzende legte für beide Angeklagte eine dreijährige Bewährungszeit fest. Jeder von ihnen hat 60 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten.