Vermischtes Regen wichtiger als Dreschen

10.07.2009, 22:00 Uhr

Tiefe Sorgenfalten sieht man trotz der anhaltenden Regenfälle gegenwärtig nicht auf der Stirn der emsländischen Ackerbauern. Die wohldosierten Niederschläge der letzten Tage sind höchst willkommen; insbesondere der Mais profitiert und dankt es mit deutlich sichtbarem Wachstum.

Die Maispflanze hat im gegenwärtigen Wachstumsstadium einen hohen Wasserbedarf, unterstrichen die Agrarexperten Hermann Diekmann (Leiter der Außenstelle Lingen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen LWK), Hermann Hermeling (Landvolkvorsitzender), Johann Högemann (LWK-Pflanzenbauberater) sowie die Berater im Ackerbauring Lingen, Norbert Uerlings und Ludger Deters, in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

„Der Regen ist gegenwärtig viel wichtiger als das Dreschen des Wintergetreides“, wies Johann Högemann darauf hin, dass die Maispflanze in diesen Tagen die „Fahne schiebt“ und damit die Grundlage für kräftige Maiskolben bildet.

Der Mais steht nach Feststellung von Norbert Uerlings im Altkreis Lingen insgesamt „super“ und ist dank des Regens in den letzten Tagen förmlich geschossen.

Und das zum Teil schon reife Wintergetreide? Am letzten Wochenende waren bei tropischen Temperaturen bereits viele Mähdrescher im Einsatz. Erste Ernteergebnisse sind durchaus vielversprechend, so die Landwirtschaftsvertreter. Bei der Wintergerste werde ein Ertrag von sechs bis sieben Tonnen/Hektar erwartet.

Insgesamt gehe man von einer guten bis durchschnittlichen Getreideernte aus, betonte Ludger Deters. Es habe keine wesentlichen Blattkrankheiten gegeben, die die Pflanzen nachhaltig schädigten. Auch die Triticalebestände (Kreuzung aus Weizen und Roggen) hätten die Frühjahrstrockenheit gut überstanden, hieß es.

Das bereits reife Wintergetreide werde durch die Regenfälle nicht geschädigt. „Natürlich muss in den nächsten Tagen wieder Erntewetter einsetzen“, machte Hermann Hermeling die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Wetter deutlich.

Mit Blick auf die Preisentwicklung schlagen bei Hermann Hermeling zwei Herzen in der Brust: Einerseits gebrauchen die Ackerbauern einen guten Erlös für ihre Produkte, auf der anderen Seite sind die Veredlungsbetriebe auf günstige Futtermittelpreise angewiesen, um auskömmliche Betriebsergebnisse zu erzielen.

Im Altkreis Lingen werden nach Darstellung von Hermann Diekmann rund 44000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche beackert. Davon entfallen mehr als die Hälfte auf den Maisanbau, Die Fläche sei trotz der Biogasanlagen nur unwesentlich gestiegen. Es sei eine Nutzungsänderung festzustellen. Früher wurde ein großer Anteil an Körnermais verkauft. Rund 30 Prozent der Flächen werden mit Weizen, Wintergerste, Triticale, Roggen und Sommergerste bestellt. Auf Kartoffeln entfallen rund acht Prozent.