Vermischtes Rechts gerade, links ungerade und für die Ewigkeit

19.07.2009, 22:00 Uhr

Die Stadtverwaltung von Bramsche ist ein Dienstleistungsanbieter mit vielen Zuständigkeiten. In der Broschüre „Bürgerinformation“ der Stadt finden sich von A wie Abwasser über M wie Mahn- und Vollstreckungsangelegenheiten bis Z wie Zuschüsse für den Wohnungsbau mehr als zweihundert Stichworte für einzelne Sachgebiete. Im Rahmen einer Sommerserie blicken die Bramscher Nachrichten auf ausgewählte Tätigkeitsfelder der Verwaltung, die nicht immer selbstverständlich geläufig sein dürften. Heute geht es um den Aufgabenbereich Hausnummern.

Jeder Immobilienbesitzer bekommt sie, und dies sogar ohne viel eigenes Zutun: die Hausnummer. Im Rahmen des Bauantragsverfahrens wird sie jedem Hausbauer zugeteilt und begleitet ihn dann in der Regel sein ganzes Leben lang und, was die Immobilie betrifft, auch darüber hinaus. Ulrike Stuckwisch von der Bauverwaltung ist in Bramsche die Hüterin der Nummern. Hausnummern, die gibt es zwar einfach so, aber keinesfalls irgendwie. Sobald der Straßenverlauf festgelegt wird, kommt bei der Vergabe der Nummern in Deutschland das sogenannte „Pariser Verfahren“ zur Anwendung. Gebäude, die rechts an der Straße stehen, wobei die Blickrichtung meistens stadtauswärts geht, erhalten die geraden Hausnummern, die auf der linken Seite die ungeraden. Vor dem Krieg war das noch anders, da wurden die Nummern, egal ob ungerade oder gerade fortlaufend vergeben. Eins, zwei, drei in trauter Nachbarschaft die Straße rauf und dann die weiteren Ziffern die Straße wieder runter. Buchstaben kommen dabei auch zum Einsatz, nämlich bei Stichstraßen oder aber, wenn weit nach der ursprünglichen Verteilung eine Baulücke dann doch noch mit einer Immobilie bebaut wird. Dabei kann es bei langen Stichstraßen vereinzelt schon einmal vorkommen, so Ulrike Stuckwisch, dass der erforderliche Buchstabe nicht mehr vom Handel angeboten wird.

In diesem Fall hilft nur die individuelle Anfertigung. Einfach weglassen geht nämlich in Deutschland nicht. Die Verpflichtung zur Anbringung der Hausnummer hat unser Gesetzgeber im Baugesetzbuch sogar bundeseinheitlich festgelegt.

Vorgaben bezüglich der konkreten Ausgestaltung hingegen sind dem Gestaltungswillen der Gemeinden überlassen. Und hier herrscht in Bramsche Freiheit. Dies ist nicht in allen Gemeinden so. Zum Beispiel gibt es Gebietskörperschaften, die bei denkmalgeschützten Gebäuden das Hausnummerndesign mitbestimmen. Bei uns jedoch kann die Nummer aussehen, wie sie mag, so sie denn gut lesbar und auch entsprechend angebracht ist. Beleuchtet, in Messing oder aus Kunststoff, all dies kümmert Ulrike Stuckwisch nach der Erteilung dann nicht mehr. Sie sorgt lediglich dafür, dass die Telekom, das Katasteramt, die Stadtwerke und die Rettungsleitstellen Kenntnis davon erhalten, welches Grundstück welche Hausnummer erhalten hat.

Wie viele Hausnummern in Bramsche existieren, ist unbekannt. Aber es gibt immerhin in der Vördener Straße und auf dem Lutterdamm Hausnummern, die dreistellig sind.

Wie bereits erwähnt, sind Hausnummern grundsätzlich für die Ewigkeit bestimmt. Lediglich wenn der Straßennamen geändert und die Straße in eine andere Straße eingegliedert wird, kann es dann auch zu Veränderungen kommen. Oder aber der Hauseigentümer baut einen zweiten separaten Eingang und stellt einen entsprechenden Antrag bei der Stadt. In aller Regel aber bleibt die Hausnummer dem Grundstück treu. Wer einmal die Nummer 1 erhalten hat, darf sie auch behalten.