Vermischtes Pflege auf dem Prüfstand

19.07.2009, 22:00 Uhr

Pflege ist ein komplexes System mit vielen Facetten, besonders in Pflegeheimen. Der Kostendruck lässt da schon mal einige Pflegeheime mit Mängeln in der Verpflegung oder der Pflege zu schwarzen Schafen der Branche werden. Hier soll nun aufgrund der Pflegereform von 2008 seit Jahresbeginn der sogenannte Pflege-TÜV Abhilfe schaffen und für mehr Lebensqualität im Alter sorgen. Doch wie bereiten sich die Pflegeheime darauf vor? Ein Beispiel ist das „Haus Glandorf“ in Glandorf.

Eine spezielle Vorbereitung ist nach Ansicht von Manuel Künnemann, Leiter des Hauses Glandorf, nicht erforderlich und im Grunde auch nicht möglich, da der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) unangemeldet erscheint. Und das künftig jedes Jahr. In seinem Haus sei der MDK in den vergangenen Jahren schon zweimal gewesen, und das mit einem positiven Ergebnis.

Darum sieht Künnemann im Pflege-TÜV auch für alle Einrichtungen „ein Mittel, sich positiv zu bewerten und darzustellen“. Denn die Ergebnisse des MDK müssen die Pflegeheime sichtbar aushängen, und außerdem werden sie auf den Internetseiten der Krankenkassen veröffentlicht. „Ich mache mir keine Sorgen, dass ich eine schlechte Benotung bekomme“, ist sich Künnemann für das Haus Glandorf sicher. Denn nach den neuen Richtlinien ist sein Haus noch nicht bewertet worden. Doch das MDK-Team kann jeden Tag an die Tür klopfen. Bis Ende 2010 sollen alle Häuser nach den neuen Prüfungsrichtlinien benotet worden sein. Und ab 2011 erfolgt eine jährliche Qualitätskontrolle.

Bereits seit 2005 umfasst die Qualitätsprüfungsrichtlinie 470 Fragen. Jetzt werden 82 Fragen zur Bewertung herangezogen, 64 Prüfungsfragen in vier Kategorien und 18 Fragen an Heimbewohner. Die Prüfungsfragen werden dann zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst. Dieses Gesamtergebnis sollte man allerdings nicht überbewerten und vor allem nicht allein betrachten, meint Künnemann. Denn hier könnten Schwächen verschleiert werden. Wichtiger seien die Ergebnisse der einzelnen Kategorien. Hierbei handelt es sich um Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern und anderen gerontopsychiatrisch veränderten Menschen, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie die Kategorie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene.

Dass Pflege und medizinische Betreuung der wichtigste Bereich seien, zeige schon die Anzahl der Fragen dazu, so Künnemann. Hier würden 35 Kriterien hinterfragt, während es bei den anderen Kategorien lediglich neun bis zehn seien. Schwerpunkte sind Dekubitus (Geschwür durch Wundliegen), Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Schmerzen, Inkontinenz und Sturzrisiko. Dabei werden alle Fragen auch durch Überprüfungen auf den Stationen und Zimmern kontrolliert.

Da die Überprüfungen durch den MDK unangemeldet stattfinden, ist die Vorbereitung darauf im Haus Glandorf ein ständig andauernder Prozess, so Heimleiter Künnemann. Regelmäßig werden im Haus Pflegevisiten durchgeführt und einzelne Fälle besprochen. Aber auch in der Residenzgruppe Bremen, zu der das Haus Glandorf gehört, finden Qualitätszirkel für den Bereich Senioren Wohnpark Weser statt, ebenso Fallbesprechungen und Gespräche der Pflegedienstleitungen. Die Residenzgruppe habe auch einen eigenen Qualitätsbeauftragten. Selbstverständlich gibt es auch ein Qualitätshandbuch mit Verfahrensanweisungen im Haus Glandorf.

Besonderer Wert werde in Glandorf auf die Betreuung der 62 Bewohner gelegt. So gibt es zur Beruhigung schon mal ein Kaninchen auf den Schoß oder einen kleinen Hund als Gesellen beim Mittagsschlaf. Aber natürlich werde auch dafür gesorgt, so Künnemann, dass die Heimbewohner beschäftigt würden. Manchmal seien zudem Gespräche der richtige Weg der Betreuung.

Für Künnemann ist das neue Prüfungsverfahren durch den MDK „ein lernendes System“, bei dem es in den nächsten Jahren noch einige Veränderungen geben wird.