Vermischtes Osnabrücker sind freigiebig

10.07.2009, 22:00 Uhr

Danuta Sacher schätzt das gute Mitein-ander in der Stadt Osnabrück. Dass terre des hommes ein aktiver Teil des Lebens hier ist, hat die neue Geschäftsführerin des Kinderhilfswerkes bei der Wohnungssuche feststellt: „Vier Fünftel der Menschen wussten, was terre des hommes ist.“

Im Mai hat Danuta Sacher ihren neuen Job angetreten und sich auch schon ein wenig eingelebt. Ihr gefällt, dass sie hier von ihrer Wohnung in der Innenstadt zur Geschäftsstelle an der Ruppenkampstraße mit dem Fahrrad fahren kann. Stuttgart, wo sie bisher bei „Brot für die Welt“ tätig war, ist weniger fahrradfreundlich.

Das internationale Kinderhilfswerk sei gut aufgestellt, erklärt die 54-Jährige: „Ich kann das so offen sagen, weil das noch die Leistung meiner Vorgänger ist.“ Im vergangenen Jahr stieg das Spendenaufkommen trotz der Wirtschaftskrise um 2,5 Prozent. Mehr als 50 Prozent der Einnahmen kommen von Dauerspendern. Allein in Osnabrück und Umgebung unterstützen rund 1300 Menschen regelmäßig Projekte. Das sind 2,5 Prozent aller Spender. Ein weiteres Beispiel für die gute Verankerung von terre des hommes in der Region.

Danuta Sacher wurde in Polen geboren, wuchs aber in Mannheim auf. Sie studierte Geografie und arbeitete als freie Journalistin für das Fernsehen. Entwicklungsarbeit macht sie seit 1990. Zunächst ehrenamtlich, dann als Geschäftsführerin der Informationsstelle Guatemala in Bonn. „Das war noch die Bundeshauptstadt, und viele Entwicklungshilfeorganisationen waren dort ansässig.“

Später arbeitete sie sechs Jahre lang in Mittelamerika. Ihre Einsatzgebiete waren Costa Rica und Guatemala. Dort war nach dem Ende des 36 Jahre dauernden Bürgerkrieges mit einer Million Menschen auf der Flucht viel zu tun. Danuta Sacher, die fließend Spanisch spricht, arbeitete in Flüchtlings- und Rückkehrerprogrammen. Für eine US-amerikanische Organisation war sie unterwegs, um die Menschen politisch zu bilden.

Vor ihrem Wechsel nach Osnabrück baute Danuta Sacher für „Brot für die Welt“ eine Abteilung für Entwicklungspolitik auf. Dies sei neben der Spendensammlung eine der wichtigsten Aufgaben der Hilfsorganisationen, sagt Sacher. Denn so könne verhindert werden, dass gut gemeinte politische Entscheidungen Projekte in den Hilfsländern gefährden, wie es schon vorgekommen sei.

An ihrem neuen Arbeitgeber terre des hommes schätzt Danuta Sacher, dass er auf die Interessen von Kindern konzentriert ist. Respekt bezeugt sie dem Kinderhilfswerk, dass es als erste Organisation Adoptionen und Patenschaften für Kinder in den Entwicklungsländern infrage gestellt hat. Viel wichtiger sei es, die Lebensrealitäten der Kinder vor Ort nachhaltig zu verändern. „Wir brauchen mehr solcher mutigen Organisationen“, sagt Danuta Sacher. Denn die Klimakrise zeige, dass die armen Länder nicht die gleiche Entwicklung nehmen dürften wie die Industrieländer.

terre des hommes macht sich aber auch in Deutschland für Kinder stark. Bei ihrem Antrittsbesuch bei Oberbürgermeister Boris Pistorius berichtete die Geschäftsführerin, dass das Kinderhilfswerk die Schirmherrschaft für die Bio-Brotdose für Schulanfänger übernehme. Gemeinsam mit Osnabrücker Schulen wolle sich terre des hommes am Afrika-Festival beteiligen.

Sie könne sich auch eine Projektpartnerschaft der Stadt mit Johannisburg vorstellen, sagte Sacher mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Thema könnten die Folgen innerstädtischer Gewalt sein. Auch eine Zusammenarbeit mit den Friedensgesprächen und der Bundesumweltstiftung sei denkbar.