Vermischtes Mysteriöses Loch gibt sein Geheimnis frei

05.08.2009, 22:00 Uhr

Von der B 51 aus ist es deutlich zu erkennen: Das mysteriöse „Loch“ im Wald des Dörenbergs beschäftigt Bad Iburger Heimatforscher schon seit Langem. Deutlich weist die veränderte Vegetation unterhalb des Kammweges auf eine längst vergessene Katastrophe. Doch die Details blieben verborgen im Dunkel der Vergangenheit – bis jetzt.

Aufklärung kam überraschend aus dem Meller Ortsteil Bruchmühlen. Dabei ahnte Dieter Becker zu Beginn seiner monatelangen, intensiven Nachforschungen nichts von der Verbindung zu der rätselhaften Freifläche. „Ich bin Chronist einer Sippe“, erklärt der Bruchmühlener. Seine Familienforschung unterscheidet der Bruchmühlener ganz bewusst von der Ahnenforschung: Ausgehend von der Hochzeit seiner Urgroßeltern Friedrich Becker und Luise Jaep im Jahre 1863, zeichnet er mit der Akribie eines Detektivs die familiären Linien nach.

Immer wieder stößt er dabei auf ungeklärte Fragen – so auch jene nach den Details eines Flugzeugabsturzes, der einen Vetter zweiten Grades im Jahre 1940 das Leben kostete. Emil Krug, Feldwebel bei der Luftwaffe, war erst 23 Jahre alt, als er am 8. Oktober 1940 mit seinem Jagdbomber Ju 88 von der eigenen Flak getroffen wurde und am Dörenberg abstürzte. Die Ju 88 war kein Einzelfall: Der Höhenzug bei Bad Iburg wurde während der Kriegsjahre zahlreichen Flugzeugen zum Verhängnis. Doch Dieter Becker reichte die ungefähre Ortsangabe nicht aus.

Er wollte die Absturzstelle mit eigenen Augen sehen und wandte sich deshalb an den Verein für Orts- und Heimatkunde. Der Bad Iburger Verein konnte bereits zahlreiche Flugzeugabstürze aus dem Zweiten Weltkrieg klären. Auf eine Ju 88 jedoch fand Dieter Becker bei seinen Recherchen im Kurort keinen Hinweis. Dafür stieß er auf die markante Freifläche am Kamm des Dörenbergs. „Es gab Gerüchte, dass dort ein Flugzeug gelegen haben soll“, erfuhr der Bruchmühlener.

Zwar wies der Verein für Orts- und Heimatkunde bereits in unmittelbarer Nähe den Absturz eines Jägers Focke-Wulf vom 14. Februar 1945 nach. Fotoaufnahmen vom Januar 1945 lassen jedoch erkennen, dass das mysteriöse „Loch im Wald“ deutlich vor diesem Datum entstanden sein muss. Dieter Becker suchte fachkundige Hilfe, um zunächst jene Maschine zu identifizieren, in der Emil Krug wenige Wochen nach seiner Hochzeit ums Leben kam: eine zweimotorige Ju 88 A mit der Kennnummer 4D+NP und insgesamt vier Besatzungsmitgliedern, die sich auf dem Rückflug von London zum Heimatflughafen Barth befand. Die Maschine mit Staffelkapitän Hauptmann Szymansky als viertem Mann an Bord gehörte zur 6. Staffel des Kampfgeschwaders 30.

Bei seinen weiteren Recherchen machte Dieter Becker schließlich eine entscheidende Entdeckung: Denn die Maschine furchte sich nicht schräg mit einer Schneise in den Wald. „Der Pilot hat noch eine schulmäßige Außenlandung geschafft“, erklärt der Familienforscher. Unteroffizier Franz Knape brachte die Ju 88 über den Baumwipfeln zum Stehen – dann sackte das Flugzeug in den Hochwald hinein. Studien anhand von Luftaufnahmen bestätigten ihm, dass das „Loch im Wald“ diesem Szenario und den Maßen des identifizierten Flugzeugs exakt entspricht.

Für Dieter Becker ist damit klar: Er hat den Bodenberührungspunkt der Ju 88 gefunden – und zugleich ein langjähriges Rätsel gelöst.

Doch seine Recherchen lösten nicht nur das Rätsel um die zur 6. Staffel des Kampfgeschwaders 30 gehörende Maschine, sondern brachten auch neue Erkenntnisse über ihre Besatzung: In seinem Geburtsort Tettenborn hat Emil Krug seine letzte Ruhestätte. Die Grabstätten der beiden Unteroffiziere, Pilot Franz Knape und Bordschütze Alfred Nerlich, fanden sich auf dem Heger Friedhof von Osnabrück. Ihre Kreuze weisen noch heute auf das tragische Ereignis hin, das sich in den Wald des Dörenbergs eingegraben hat.

In der Zwischenzeit vermochte Familienforscher Dieter Becker noch ein weiteres Geheimnis des Dörenbergs zu lüften: Nur etwa 300 Meter vom Bodenberührungspunkt der Ju 88 befindet sich die bekannte Absturzstelle einer Ju 52. Die Identität dieses Transportflugzeuges konnte der Bruchmühlener bereits aufklären. Jetzt ist er auf der Suche nach den Personalangaben der Besatzungsmitglieder. Über sie hofft er schon bald Auskunft geben zu können.