Vermischtes Mut zum Experiment im zweimonatigen Gesangsworkshop

06.07.2009, 22:00 Uhr

Leise breitete sich der Klang in der Christophoruskirche aus, füllte den Raum und verwob sich zu vielgestaltigen Mustern. Scheinbar auf Händen getragen, wanderte er zwischen Säulen und Kirchenbänken einher: Dem Klang der Seele spürten zwei Monate lang die Teilnehmerinnen eines Gesangsworkshops gemeinsam mit Bettina Landmeier nach.

„Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur das Tun!“, betonte die Sängerin, Gesangsdozentin und Chorleiterin, die sich mit dem achtteiligen Workshop einen langgehegten Wunsch erfüllte. „Singen und Klingen wie im Himmel“ – dazu sind keine Notenkenntnisse erforderlich. Auch ohne Chorerfahrung ließen sich darum Renate Heemann und Waltraud Edsen auf das Erlebnis des Klangs ein. Und der entsteht keineswegs nur in der Kehle.

Lockerungsübungen bereiteten deshalb den ganzen Körper darauf vor, unverkrampft dem Klang Raum zu geben. Doch Musik ist mehr als Schwingungen der Luft: „Versucht, mit einem inneren Lächeln zu singen“, forderte Bettina Landmeier die Teilnehmerinnen auf – und stellte die geheimnisvolle Wirkung gleich selbst hörbar unter Beweis. Doch nicht die Perfektion stand im Mittelpunkt des Projektes, das in der Christophoruskirche einen kongenialen Klangraum fand.

„Ich liebe es, in Kirchen zu singen“, bekannte die Sängerin und Dozentin, die auch auf privaten Reisen kaum eine Gelegenheit auslässt, Kirchenräume zum Klingen zu bringen. Für die Workshop-Teilnehmerinnen weckte sie dabei neben dem Einstudieren von Kanons und Gospels vor allem die Freude am Experimentieren und an der freien Entfaltung der Stimme. Doch der Schritt in die Improvisation fordert auch ein wenig Mut – insbesondere dann, wenn sich in traditioneller Gospel-Manier jeder Einzelne plötzlich in der Rolle des Vorsängers wiederfindet.

 „Die Welt ist Klang“, behauptete Musikjournalist und Jazzproduzent Joachim Ernst Berendt. „Wenn das wahr ist, dann stimmt auch der Satz ‚Ich bin Klang‘“, erklärte Bettina Landmeier. Die Teilnehmerinnen lud sie dazu ein, diesem Klang nicht nur innerlich, sondern ganz praktisch zu folgen – ihn durch die Kirche zu tragen, ihn im Altarraum einander entgegenzubringen oder ihn in ansteckendem Schwung mit rhythmischen Schritten zu verbinden.

„Die Stimme wird viel freier“, stellten die Teilnehmerinnen fest, die schon sehnsüchtig auf eine Fortsetzung des Workshops warten. Für die Christophorusgemeinde hat das Projekt unterdessen noch einen erfreulichen Nachklang: Denn ihr kommen 200 Euro aus dem Erlös des Workshops für die Kirchenheizung zugute.