Vermischtes Musikalische Vorträge mit Charme und Eloquenz

30.12.2002, 23:00 Uhr

Industrielle und ländliche Nutzräumlichkeiten trifft zuweilen das gleiche Geschick. Nach dem Erlöschen ihrer eigentlichen Bestimmung werden sie geadelt, umgebaut zu Kulturstätten. So auch der Schafstall an der Bergstraße von Bad Essen. In seinem Ambiente erklingt ein Konzert mit Hans-Jörg Wegener, Querflöte, und Ellen Wegener, Harfe. Aus der Stille des zweiten Weihnachtstages ragt es heraus, ohne die Besinnlichkeit zu stören, selbst ein herausragendes Ereignis.

An den Wänden des Schafstalls hängen figürlich bewegte Zeichnungen, deren Kontraste durch Schraffuren gemildert sind. Kein Geringerer als Günter Grass hat sie gefertigt. Und erstaunlich gut passt die feine und doch eindringliche Tonsprache der Instrumentenkombination zu dieser Graphik.Hans-Jörg Wegeners Flötenton besticht durch samtige Fülle von der tiefsten bis zur höchsten Lage. Dem stets weichen Klang seiner Rotgoldflöte fehlt nur gelegentlich etwas dramatische Gebärde. Um so energischer greift seine Schwester Ellen in die Saiten ihrer Pedalharfe.

Geschichtliches Dämmern schwingt durch die hohlen Bässe und singende Melancholie in den Höhen wechselt ab mit Arpeggien und anderen typischen Harfeneffekten. Variationen über „Greensleeves“ machten den Anfang.Die „Hamburger Sonate“ von C.Ph. E. Bach überzeugt vor allem durch den gekonnt ernergischen Angriff der Oktavsprünge im Rondo-Presto. Lebhafte Mitgestaltung kennzeichnet die Harfenbegleitung bei Boccherinis „Sonate C-Dur op. 5 Nr. 2“. Weit gespannte Melodiebögen und ein tänzerisches Allegro für Flöte und Harfe gestaltet der Flötist in Donizettis reizvollem Originalwerk, einer „Sonate g-Moll“. Während der zweiten Konzerthälfte profilieren sich die Künstler vermehrt solistisch. Brittens „Interlude“ für Harfe reicht vom gehauchten Flagolett bis zu doppelt oktavierten Akkordblöcken. Den künstlerischen Höhepunkt setzt Hans-Jörg Wegener mit seinem Flötensolo „Danse de la chevre“ von A. Honegger, einer Programmmusik.

Mit Charme und Eloquenz werden Komponisten und Stücke vorgestellt. Auffallend gepflegt und doch unkonventionell ist ihre Garderobe. Eine dezente Farbigkeit ziehen sie dem gewohnten Schwarz des Konzertpodiums vor. Am Ende kann Reinhard Wilms vom Kunst- und Museumskreis dem hoch zufriedenen Publikum einen angenehmen Heimweg wünschen.