Vermischtes Mobber, Machos, Martin und Mama

21.12.2007, 23:00 Uhr

Tatort: Wem Ehre gebührt - ARD, Sonntag 20.15 Uhr

Unter den Gala-Gängern gilt sie in diesem Jahr als "Die Unvermeidliche". Auf der "Flucht" vor der "Tatort"-Schwangerschaft sammelte Maria Furtwängler etliche Preise ein oder drückte sie anderen in die Hand - und Hubert Burda, der Medienmogul an ihrer Seite, setzte stets sein sanftestes Lächeln auf.

Nun ist die Quotenqueen wieder bei ihrem Kind angelangt - dem ersten Baby einer "Tatort"-Kommissarin in der deutschen Fernsehgeschichte. Doch eine angehende Mutter stellt man sich anders vor als die aufgrund einer "Mutterschutzrichtlinienverordnung" in den Innendienst beim Landeskriminalamt in Hannover versetzte Charlotte Lindholm. Übellaunig und genervt vom dutzendfachen "Mahlzeit", das ihr in der Kantine entgegentönt, verrichtet sie ihren Dienst in einem wahren Biotop von Machos und Mobbern. Und auch zu Hause kann nichts ihre Stimmung aufhellen - da nerven Martin und Mama mit übertriebener Sorge um das werdende Kind.

Als die junge Deutsch-Türkin Afife (Sesede Terziyan) von ihrem aus der Türkei importierten Ehemann tot aufgefunden wird und ihre 17-jährige Schwester Selda (Aylin Tezel) behauptet, die vermeintliche Selbstmörderin sei umgebracht worden, ändert sich die Situation: Lindholm stößt drei bis sechs Dienstvorschriften über den Haufen, ermittelt - gegen den Widerstand etlicher männlicher Kollegen und Vorgesetzter - auf eigene Faust und nimmt schließlich Selda bei sich zu Hause auf. Und als diese ihr eröffnet, schwanger zu sein, weist die Kommissarin auf Möglichkeiten hin, auch nach dem dritten Monat noch legal abtreiben zu können. Wenn das keinen Ärger gibt ...

Angelina Maccarone, die Drehbuchautorin und Regisseurin dieses "Tatorts", hatte schwierige Aufgaben zu bewältigen: das Mutterwerden der Kommissarin thematisieren und doch nicht zu sehr in den Vordergrund rücken; Mehmet Kurtulus als Lindholms Kollegen Attila Aslan einführen, obwohl er im nächsten Jahr als Kommissar Cenk und Atzorn-Nachfolger im Hamburger "Tatort" auftauchen wird.

Gelungen ist ihr das nur phasenweise. Wenn die werdende Mutter am Ende pistolenschwingend die Entscheidung sucht oder der türkische Kollege gleich mehrere wundersame Wandlungen vom Kotzbrocken über den Sympathieträger zurück zum Kotzbrocken vollzieht, wird sich manch ein Zuschauer sagen: Da komm ich nicht mehr mit.

Und dann achten Sie doch mal auf die Szene im Aufzug: Die verschlingt derart viel Zeit, als hätte das LKA mindestens 80 Stockwerke. Da werden die Filmfehlerspürnasen ihre helle Freude haben und sich die "Tatort"-Kollegen aus München die Hände reiben - denn an deren großartige Vorlage vom letzten Sonntag reicht "Wem Ehre gebührt" nicht heran. Aber wahrscheinlich stimmt wieder die Quote und hagelt es Preise.