Vermischtes Mit Omas Bügeleisen ab in die Tiefe

29.12.2002, 23:00 Uhr

„Was damals 1962 geschah, kann unter heutigen Gesichtspunkten nur als abenteuerlich und lebensgefährlich bezeichnet werden und doch war es eine Pioniertat“: Lothar Dütemeyer, 1. Vorsitzender des Unterwasser-Clubs Osnabrück (UCO), ist hin- und hergerissen beim Lesen eines Protokolls, das vor fast genau 40 Jahren beim ersten Tauchgang von Osnabrückern angefertigt worden war. Der Pionier von damals, der heute 73-jährige Friedhelm Kükelhahn, bekam dabei sogar ein Bügeleisen als Gewicht umgebunden.

1962 war die Euphorie bei den Tauchenthusiasten groß: Die TV-Filme und Bücher von Hans Hass und Jacques Cousteau bewegten die Nation, aber die eigentliche Sport- und Rettungstaucherei in Deutschland steckte noch absolut in den Kinderschuhen. In Osnabrück führte 1962 ein trauriger Anlass dazu, dass sich das änderte: Im Sommer war ein neunjähriger Junge im Silbersee beim Baden ertrunken. Die DLRG-Schwimmer hatten keine Chance, in dem seinerzeit noch bis zu 17 Meter tiefen Gewässer nach dem Verunglückten zu suchen. Erst zwei Tage später konnten britische Militärtaucher aus Bielefeld den kleinen Leichnam bergen.„Das war für die DLRG-Leute um Heinz-W. Schilling der Auslöser, eine Tauchgruppe zu bilden“, berichtete Dütemeyer. Im Winter erfolgte dann der erste Tauchgang. Friedhelm Kükelhahn hatte sich kurz zuvor einen gebrauchten Trockentauchanzug in Göttingen gekauft. „An den kam ich über eine Anzeige in der Tauchsportzeitung Delphin“, erzählte Kükelhahn.

Damit stand er automatisch als Versuchskaninchen fest, denn einen anderen Tauchanzug gab es in Osnabrück nicht. Begleitet von Franz Budke, Lothar Kopp, Heinz Schilling und Taucharzt Dr. Enders legte Kükelhahn am Seeufer bei leichten Ministemperaturen den Anzug an. Die Pressluftflaschen stellte die Feuerwehr. Gesichert mit einem Seil, das auch als Signalgeber diente, stieg Osnabrücks Tauchpionier ins Wasser. Nach 15 Sekunden war er wieder oben: zu wenig Gewichte angelegt. Der nächste Tauchgang dauerte nur 50 Sekunden, denn Kükelhahn hatte vergessen, seine Zahnbrücke herauszunehmen. Die verrutschte ständig beim Druckausgleich. Auch die nächsten Versuche waren unbefriedigend, da der Anzug noch immer zu viel Auftrieb entwickelte. „Jetzt kam Omas altes Bügeleisen zum Einsatz, das ich mir zusätzlich um den Bauch binden ließ“, berichtete Kükelhahn. Danach sei er wie ein Stein weggesackt, aber endlich bis zum Grund gekommen. Wegen der Geschwindigkeit des Abstieges konnte der Taucher den Druckausgleich nur unbefriediegend herstellen. Daher musste er nach einer Tauchdauer von insgesamt einer Stunde in der Praxis von Dr. Enders an der Möserstraße noch behandelt werden.

Dennoch war der Durchbruch geschafft. Bei der DLRG bildete sich eine Tauchgruppe und zwei Jahre später erwuchs daraus der UCO.

„Natürlich hat das heutige Sporttauchen nichts mehr mit dem zu tun, was die wagemutige Gruppe seinerzeit auf die Beine gestellt hat, aber ohne solche Leute wäre es damals nicht vorangegangen“, betonte Dütemeyer. Und der Tauchpionier selbst? Er hat die Traum-Tauchreviere wie Rotes Meer oder Malediven nie gesehen und sich während seiner Berufszeit als Meister bei den Beschützenden Werkstätten um die dortige Judo-Gruppe gekümmert. „Auf die bin ich auch heute noch stolz“, freute sich Kükelhahn.