Vermischtes Mit Kusshand genommen

31.07.2009, 22:00 Uhr

Ein gutes Zeugnis, so heißt es, sei das Wichtigste, wenn es um den ersehnten Ausbildungsplatz geht. Hauptschulabgänger, deren Notenschnitt nicht so glänzend ist, haben schlechte Karten.

Dass diese Jugendlichen jedoch durchaus Stärken besitzen, die sie für die Arbeitswelt qualifizieren, zeigt das Beispiel von Kai Klocke. Und es zeigt auch, dass ein Ausbilder – und nicht nur der – mitunter gut daran tut, den Menschen jenseits der Zeugnisnote zu sehen. Er ist ein rechter Sonnyboy, wie er so ins Büro seines Chefs hereinkommt. Offen, umgänglich, motiviert, fröhlich und zufrieden. Und das kann Kai Klocke auch sein, denn schließlich hat er seine Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen und wurde von Peter Strohbecke, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition Euraspeed in Wallenhorst, „mit Kusshand“ übernommen. Dabei sah es nach der Hauptschule gar nicht so rosig aus für den jungen Mann aus Vehrte. Note 4 minus stand auf dem Zeugnis der Johannes-Vincke-Schule, sämtliche Bewerbungen kamen mit Ablehnung zurück.

So wandte sich Kai Klocke an die Belmer Integrationswerkstatt (BIW), „wo wir jedoch rasch seine praktischen Fähigkeiten und seine Einsatzbereitschaft feststellen konnten und Peter Strohbecke unseren Neuzugang ans Herz legten“, erinnert sich BIW-Geschäftsführerin Sigrun Rindt gerne. Eine passgenaue Wahl, wie sich im Nachhinein zeigt. Bei Euraspeed absolvierte Kai Klocke zunächst ein Praktikum.

„Das ist für alle Beteiligten sinnvoll, um zu sehen, ob es passt“, sagt Strohbecke. Es hat offenbar gepasst – auch wenn es besonders zu Anfang für den Azubi ganz schön anstrengend war. Denn den Weg vom Heimatort Vehrte zum Ausbildungsbetrieb im Wallenhorster Gewerbegebiet legte der junge Mann tagtäglich mit dem Fahrrad zurück. Immerhin: „Bei Regen oder Schnee fuhr mich mein Großvater mit dem Wagen“, kann Kai Klocke jetzt, da er selber Führerschein und Auto besitzt, lachen.

„Dass die Familie mitzieht und den Jugendlichen bestärkt, ist enorm wichtig“, weiß Strohbecke. Ein Berufspraktikum hält er für einen guten Einstieg, ebenso seien mehr berufsvorbereitende Maßnahmen in den Schulen wünschenswert. „Praxisbezug und Selbstständigkeit müssen beizeiten gefördert werden. Auftreten, Manieren, Offenheit, kurzum: soziale Kompetenzen, zählen für mich ebenso wie Schulnoten“, so die Ansicht des Ausbilders.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Lehre in der Spedition keine Anforderungen stellt. Im Gegenteil: „Unsere Logistiker sind wahre Techniker, die sich mit den verschiedensten Gütern auskennen. Dabei haben sie immer den engen Zeitplan für Transport, Be- und Entladung im Kopf und wissen jeden Kubikzentimeter Laderaum zu nutzen“, so Strohbecke. Kai Klocke habe darin einen geradezu sportlichen Ehrgeiz entwickelt und erntet dafür ein dickes Lob: „Dem Kai würde ich auf jeden Fall eine Zwei plus geben.“

Ein junger Mann mit Hauptschulabschluss absolviert eine Ausbildung – eigentlich keine große Geschichte. Und doch ist sie es, weil sie von Chancen und Vertrauen handelt. Und von der persönlichen Entwicklung junger Menschen, die eben ihre Zeit braucht.