Vermischtes Ministerpräsident im OP

13.04.2007, 22:00 Uhr

Das Klinikum der Stadt Osnabrück als Vorreiter in der Medizintechnik: Seit wenigen Tagen ist hier ein Röntgengerät im Einsatz, das dreidimensionale Bilder auch im Operationssaal liefert. Außerhalb der USA arbeiten derzeit nur zwei Geräte dieses Typs.

Angeschafft haben den so genannten O-Arm (Kostenpunkt eine Million Euro) die Experten aus dem Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie der Praxis Weidner, Winking und Partner, die seit Jahresbeginn am Klinikum tätig sind.

Das Gerät sei "spektakulär", sagte denn auch Ministerpräsident Christian Wulff gestern bei einer Demonstration der Möglichkeiten: "Ich habe mir nicht vorstellen können, wie die Dimensionen sind und vor welcher Aufgabe so ein Chrirurg steht", sagte Wulff nach dem Blick auf das Phantom, das Prof. Michael Winking und seine Kollegen vorbereitet hatten.

Medizinische Großgeräte dieser Art müssen von den Krankenhäusern selbst beschafft werden, während das Land für Bauinvestitionen zuständig ist. 480 Millionen Euro standen in den letzten vier Jahren im Etat. Allerdings dürfe Gesundheit "nicht nur als Kostenfaktor betrachtet werden", so Wulff weiter: "Wir alle wollen länger und gesünder leben und werden dafür auch mehr aufbringen müssen."

Von der Gesundheitspolitik zurück in den OP-Saal: In dem ringförmigen O-Arm rotiert eine Röntgenkamera um 360 Grad rings um den Patienten auf dem OP-Tisch. In 13 Sekunden entstehen so 391 Einzelaufnahmen, die binnen einer halben Minute zu einer dreidimsionalen Röntgenbild-Datei umgerechnet werden. Zusammen mit einem Operations-Navigationssystem kann der Operateur damit seinen Eingriff in das Wirbelsäulenskelett ständig kontrollieren: "Wir sehen auf dem Bildschirm den Winkel, in dem die gesetzte Schraube auch wirklich am Wirbelkanal vorbeiläuft", so erläutert Prof. Michael Winking. Und sein Kollege Privatdozent Dr. Johannes Schröder ergänzt: "Eine Abweichung von diesem Winkel kann sehr fatal sein."

Denn bei einer Operation zur Wirbelsäulenversteifung beispielsweise werden vier Edelstahlschrauben von fünf Zentimeter Länge und sechs Millimeter Durchmesser von rechts und links in die Wirbelkörper getrieben und anschließend über Brücken mit einander verbunden. Der Wirbelkörper ist aber nur gute vier Zentimeter im Durchmesser groß, daneben verläuft das Rückenmark, und auf der anderen Seite liegen die großen Blutgefäße.

Bislang konnten die Wirbelsäulenchirurgen nur anhand von klassischen Röntgenaufnahmen arbeiten. Oder sie mussten den Patienten innerhalb des Hauses zum CT fahren. Deshalb werden solche Eingriffe erfahrungsbasiert vorgenommen und nur anhand der Röntgenbilder der Sitz des Implantats nachkontrolliert.

"In der Literatur wird deshalb von bis zu 20 Prozent als Fehlstellungen gesprochen", berichtete Winking gestern. Das neue Gerät dient deshalb der Risikominderung und steigert letztlich die Qualität der Operationen. In Zukunft werde sogar dank des dreidimensionalen Navigationsverfahrens ein minimal-invasiver Eingriff möglich: Mit vier kleinen Schnitten für die Schrauben müsse die Wirbelsäule gar nicht mehr freigelegt werden.