Vermischtes Ministerium lehnt Warnung vor Navi ab

31.07.2009, 22:00 Uhr

Wer sich wie blind auf die Anweisungen von Navigationsgeräten verlässt, kann schnell im Abseits landen – erst recht in Baustellen mit veränderter Verkehrsführung. Ein neues Hinweisschild auf dieses moderne Problem ist jetzt aber vom Niedersächsischen Verkehrsmini sterium abgelehnt worden.

„Bitte Navi ausschalten“ steht in schwarzen Buchstaben auf weißem Grund, weil die Verkehrsteilnehmer auf den Umleitungsstrecken bei Wallenhorst nicht durch die elektronischen Orientierungshelfer irritiert werden sollen. Ausgedacht haben es sich die Straßenbauverwaltung in Osnabrück, die Polizei und die Gemeinde Wallenhorst. Doch schon kurz, nachdem die Schilder mit dieser Aufschrift hergestellt und an Autobahnausfahrten und der Bundesstraße 68 aufgestellt worden waren, kam das Veto aus Hannover.

„Es gibt schon jetzt so viele Vorschriften und Verkehrszeichen“, sagt Silke Schaar vom Verkehrsministerium, „dass wir davon nicht noch mehr brauchen“. Würde man das nur im Raum Osnabrück angebrachte Hinweisschild akzeptieren, könnten die Autofahrer daraus möglicherweise völlig falsche Konsequenzen ziehen – nämlich: Überall dort, wo es in Baustellenbereichen und bei Umleitungen nicht eingesetzt wird, kann ich das Navi eingeschaltet lassen und mich daran halten. Grundsätzlich tendiert das Ministerium nach Angaben seiner Sprecherin eher in die entgegengesetzte Richtung: Stoppt den Schilderwald.

Ähnlich argumentiert der Sprecher des ADAC Weser-Ems, Nils Linge: „Weniger Schilder bringen mehr.“ Normale Verkehrsteilnehmer würden nur etwa ein Drittel aller Verkehrszeichen wahrnehmen. Navigationsgeräte seien zwar oft eine Hilfe, manchmal aber auch eine Plage.

Rüdiger Mittmann von der Wallenhorster Gemeindeverwaltung ist von der Ablehnung aus Hannover nicht begeistert: „Wir bedauern die Entscheidung.“ Gemeinsam mit Vertretern des Osnabrücker Geschäftsbereichs der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und Verkehrsexperten von der Polizei hatte man überlegt, wie man Situationen wie Mitte Juni künftig verhindern kann. Vor rund sechs Wochen hatte es schon einmal eine ähnliche Umleitung im Bereich der A1 und der B68 gegeben, bei der viele Verkehrsteilnehmer sich offenbar mehr auf ihr Navi verlassen hatten als auf die Schilder. Die Folge: Etliche Fahrzeuge fuhren auf die Engterstraße, wo sie eigentlich nichts zu suchen hatten. Zwei Damen landeten mit ihren Autos sogar in Baugruben, weil sie ihren Navis mehr trauten als den Schildern.

Die Erfahrungen und Ideen der Praktiker vor Ort scheinen das Verkehrsministerium und den ADAC indes wenig zu beeindrucken. Auf Selbstverständlichkeiten müsse man nicht noch mit Schildern hinweisen, meint Silke Schaar, „bei Umleitungen um Baustellen sollte man doch ohnehin vorsichtig fahren“.