Vermischtes Milow: Nach «Ayo Technology» zurück zu den Wurzeln

29.03.2011, 10:30 Uhr

Sein Hit «Ayo Technology» bohrte sich vor zwei Jahren wochenlang in die Ohren der Radiohörer - ausgerechnet der einzige Song, den der Liedermacher Milow nicht selbst geschrieben hat.

Mit seinem neuen Album «North and South» (Universal), das an diesem Freitag erscheint, will der Belgier zeigen, dass man von ihm mehr erwarten kann als die Schmuse-Version einer Hip-Hop-Nummer.

Es ist sein drittes Studio-Album mit neuen Liedern - aber das erste nach dem Durchbruch als erfolgreicher Newcomer 2009. Milow, mit bürgerlichem Namen Jonathan Vandenbroeck, scheint keinen Druck zu spüren. «Ich glaube sehr fest daran, dass die Menschen meine eigene Art Musik zu machen schätzen», sagt er der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Der Erfolg habe ihm das Selbstvertrauen gegeben, seine Musik zu machen, ohne ständig anderen gefallen zu wollen, erklärt der 29-Jährige. «Ich mache mein Album nicht für Leute, die Milow nie mögen werden.» Lieber spiele er für die Unentschlossenen, und auch gern vor kleinerem Publikum. Über den Durchbruch mit dem Coversong von Justin Timberlake/50 Cent will er sich indes nicht beschweren. «"Ayo" hat dem Rest meiner Musik den roten Teppich ausgerollt», sagt Milow. Viele Leute seien dadurch überhaupt erst auf ihn aufmerksam geworden.

Mit dem neuen Album will Milow zu seinen Wurzeln als Singer/Songwriter zurückkehren. «Oldschool» sei es gemacht, sagt er: Es reihe nicht nur elf Singles aneinander, sondern erzähle eine runde Geschichte. Mit dem Sound seiner Akustikgitarre und den schnörkellosen, oft humorvollen Texten ist er sich treugeblieben. Neu klingen vor allem die groovigen Beats.

Die meisten Songs habe er in weniger als einem Tag geschrieben, erzählt Milow - wobei «auf einen guten Tag 50 Tage kommen, in denen ich keinen Song schreibe». Diesmal ist sogar mit «You And Me (In My Pocket)» sein «erstes richtiges Liebeslied» dabei. In der ersten Woche stieg es gleich auf Platz drei der deutschen Single-Charts ein.

Aber Milow will nicht nur schmusen. «North and South» schlägt auch politische Töne an. Das Lied «The Kingdom» singt er als Belgier, den die Zerrissenheit seines Heimatlandes bekümmert. Bei Bedarf rekapituliert der studierte Politologe auch gern die Geschichte von den Flamen und den Wallonen, die einfach nicht zu einem Volk zusammenfinden wollen.

Widersprüche sind das Leitmotiv des Albums - typische Gefühle für seine Generation, meint Milow: «Wir sind oft wie paralysiert von den vielen Möglichkeiten des Lebens: Man entschließt sich zu nichts, aus Angst, irgendwo könnte dadurch eine andere Tür zuschlagen.»

Und er selbst? Im Juli wird Jonathan Vandenbroeck 30 Jahre alt und kann einen Blick zurückwagen. «Vor fünf Jahren dachte ich: "Du wolltest um die Welt reisen, nur mit der Gitarre in der Hand - aber bei dem Tempo schaffst du es gerade mal bis Luxemburg, wenn du 40 wirst".» Davor braucht er sich nun wohl nicht mehr zu fürchten.