Vermischtes Mercedes half Audi über den Berg

15.07.2009, 22:00 Uhr

Heute wird in Ingolstadt groß gefeiert – Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer ist auch dabei. Grund für den prominenten Besuch: Audi wird 100 Jahre alt.

Was 1909 mit einem Rauswurf begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte, die nicht selten am seidenen Faden hing. Autopionier August Horch, der schon in den 1890er-Jahren zusammen mit Carl Benz an den ersten Automobilen getüftelt hatte, überwarf sich 1909 mit dem Aufsichtsrat seiner Horch-Werke im sächsischen Zwickau und bekam Hausverbot. Beleidigt gründete er flugs mit neuen Geldgebern eine neue Autofabrik. Seinen Namen Horch durfte er allerdings nicht mehr verwenden. Die Lösung nach der Suche für einen zündenden Namen brachte ein kundiger Lateinschüler, der die Honoratioren mit der Übersetzung für „Horch“ auf „Audi“ brachte – ein genialer Einfall.

Mit sportlichen Erfolgen machte die neue Marke von sich reden, Innovationen begleiteten den Weg durch die stürmischen Zwanzigerjahre, die parallel zur heutigen Situation mit einer Weltwirtschaftskrise enden. Auf Betreiben der Sächsischen Staatsbank wird Audi, inzwischen unter den Fittichen des Motorrad- und Kleinwagenherstellers DKW, zusammen mit der Mutter, der Marke Wanderer und den Horch-Werken zur Auto Union verschmolzen. Daher rührt das Markenemblem mit den vier ineinander verschlungenen Ringen.

Nach einer kurzen Blütezeit, 1938 beträgt der Auto-Union-Marktanteil in Deutschland 25 Prozent, werden die grauen Wolken des Nationalsozialismus immer dunkler, liegen nach dem Zweiten Weltkrieg alle Konzernwerke in Schutt und Asche. Umtriebige Köpfe, unter ihnen Carl Hahn, Vater des gleichnamigen späteren VW-Chefs, gehen in den Westen und gründen in Ingolstadt mithilfe des Marschallplans eine neue Auto Union, die vorerst Ersatzteile für Vorkriegsfahrzeuge liefert.

In den 50er-Jahren gibt es mit den DKW-Autos die feineren Volkswagen, die Motorräder tragen zum Aufschwung nicht unerheblich bei. Doch die verbohrten Auto-Union-Chefs halten am Zweitakter fest, Mercedes übernimmt 1958 den angeschlagenen Konzern, pumpt Millionen in die Firma und bringt einen noch nicht fertig entwickelten Motor mit – einen Viertakter, der dem ersten Nachkriegs-Audi 1965 die Kraft liefert. Das Unternehmen gehört inzwischen komplett zum VW-Konzern, Chef Heinrich Nordhoff will das moderne Werk in Ingolstadt eigentlich nur als Montagebetrieb für seinen Käfer. Aber es kommt anders: Der Audi schlägt ein auf dem Markt, der heimlich entwickelte Audi 100 wird ab 1969 ein großer Erfolg, im selben Jahr verstärken findige NSU-Ingenieure die Mannschaft bei der neu gegründeten Audi NSU Auto Union AG.

Der Rest ist bekannt: Der geniale Techniker und Porsche-Enkel Ferdinand Piëch bringt Audi neue Ideen und Imagezuwachs, sodass die Ingolstädter seit Jahren im automobilen Oberhaus mitspielen – zum Kummer des einstigen Gönners Mercedes.