Vermischtes Meierhof verwandelt sich jetzt in einen modernen Verwaltungssitz

05.12.2002, 23:00 Uhr

Über den täglichen Blick durch das Fernster hinaus zum Höhenzug des Teutoburger Waldes wird sich Dissens Stadtdirektor nur noch ein Jahr freuen können: Johann Hinderks residiert seit einigen Tagen im Rathaus "unterm Dach" in einem bescheidenen Räumchen. Der Grund: Das unter Denkmalschutz stehende historische Gebäude, das nach der Zerstörung in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg neu erbaut wurde und seit 1937 Amtssitz ist, wird saniert.

"Da durch die Bauarbeiten Lärm und Unruhe entstehen und die Rathausbediensteten von Fall zu Fall im Haus umziehen müssen, ging der Verwaltungschef mit gutem Beispiel voran und räumte sein angestammtes Büro in Richtung oberste Etage. Unten, in der durch einen Bauzaun abgeschirmten Baustelle, dröhnten derweil Presslufthammer und Baggermotoren."Der Meierhof ist in den vergangenen Jahrzehnten baulich sträflich vernachlässigt worden", erläuterten Hinders, sein Stellvertreter UIlrich Strakeljahn sowie Architekt Andreas Austmeyer. Das Gebäude entspricht nicht mehr den Anforderungen zur Nutzung als Verwaltungssitz!" Schon Mitte 2000 habe man an eine Sanierung gedacht, um ein "Fluchttreppenhaus" einzubauen. Auch habe eine Aufzugsanlage für behinderte und ältere Besucher gefehlt, für die ein Zuschuss vom Landesamt für soziale Aufgaben in Höhe von 50 Prozent zu erwarten sei.

Die Initialzündung für eine Komplettsanierung sei jedoch erfolgt, als Anfang letzten Jahres etliche Wasserrohrbrüche auftraten und aufsteigendes Wasser in den Mauern bemerkt wurde. In den Ratsgremien wurde anschließend nach ausführlichen Beratungen trotz leereer Kassen mehrheitlich die Ansicht vertreten, "wenn eine Sanierung, dann aber richtig". 876000 Euro, so Strakeljahn, seien dafür angesetzt, 25000 kämen vom Landessozialamt, für den großen Rest müsse ein Darlehen aufgenommen werden. "Damit ist dann aber auf jeden Fall ein moderner Verwaltungsstandort auf Dauer gesichert", meinen Hinderks und Strakeljahn.

"Schall-, Wärme- und Brandschutz des Gebäudes entsprechen immer noch dem Stand von 1937", weiß Architekt Austmeyer, "da muss dringend etwas getan werden. Ebenso kommen Grundmauern, Decken, Fußbodenkonstruktion und Wände auf den Prüfstand. Alles ist in relativ schlechtem Zustand." Das Gebäude sei auch nach Brandschutzvorschriften neu bewertet worden. Dadurch ergab sich die Pflicht zum Einbau eines Fluchttreppenhauses im südlichen Trakt. Im übrigen sei für den Einbau einer behindertengerechten Aufzugsanlage an zentraler Stelle im Mittelteil des Hauses der Bestandsschutz aufgehoben worden. Die historische Bausubstanz – Empfangshalle, Sitzungssaal mit Kamin, Türen und Holztreppen – wird erhalten bleiben.Erneuert wird auf jeden Fall die Haustechnik: Strom-, Telefon- und Datenleitungen werden neu verlegt, ebenso alle Wasser- und Heizungsrohre. Problematisch, so die Verantwortlichen für den Bau, sei bei allen Baumaßnahmen, dass die Sanierung nur Raum für Raum möglich ist: Mitarbeiter und Mobiliar raus, Bauarbeiter und Gerät rein.

Man ist sich auch darüber einig, dass die Baustellenabwicklung große Anforderungen sowohl an die Mitarbeiter wie auch die Bürger stellt. Hinderks: "Wir bitten deshalb alle Besucher um Verständnis für Verzögerungen oder kleine Hindernisse, die immer wieder auftreten können. Ab Anfang 2004 läuft hier wieder alles in gewohnten und zufrieden stellenden Bahnen", verspricht er. Schilder, die den Besuchenr den momentan richtigen Weg zu den einzelnen Ämtern im Haus aufzeigen, seien vorhanden, so die Verwaltungschef. So befindet sich die Sozialabteilung gegenwärtig in den Nebenzimmern des Sitzungssaales im Erdgeschoss, Trauungen werden im historischen Sitzungssaal durchgeführt, und wer die Kasse sucht, findet sie im früheren Zimmer des Stadtdirektors im ersten Obergeschoss.