Vermischtes Maler, Zeichner, Radierer

04.08.2006, 22:00 Uhr

Juli feierte die Kunstwelt den 400. Geburtstag von Rembrandt Harmensz van Rijn. Die Staatlichen Museen zu Berlin ehren den niederländischen Meister aus diesem Anlass mit gleich drei Ausstellungen: Sie würdigen bis zum 5. November den Maler, den Zeichner und den Radierer Rembrandt.

Mit 82 Werken aus aller Welt präsentiert die Gemäldegalerie die umfassendste Retrospektive des Malers Rembrandt im Jubiläumsjahr. So entwirft die Ausstellung einen Überblick über alle Schaffensphasen. Ein Schwerpunkt liegt dennoch auf der Zeit nach 1642. Dieses Jahr stellte in persönlicher wie auch in künstlerischer Hinsicht einen Wendepunkt in Rembrandts Leben dar: Seine Frau Saskia starb und ließ ihren Mann - auf dem Höhepunkt seines Ruhms - mit dem einjährigen Sohn Titus zurück. In dem darauf folgenden Jahrzehnt malte Rembrandt nur wenige Bilder. Stattdessen widmete er sich verstärkt der Arbeit als Ausbilder in seiner Lehrwerkstatt.

"Wir wollen unsere Besucher in das 'Laboratorium Rembrandt' entführen", sagt Kurator Bernd W. Lindemann, Direktor der Berliner Gemäldegalerie. In der Ausstellung treten die Werke des Meisters und seiner Schüler in einen Dialog. Durch den Vergleich des 'Prototypen' mit den 'Satelliten' soll die Produktionsweise der florierenden Werkstatt vor Augen geführt werden.

"Rembrandt. Genie auf der Suche" ist die Ausstellung überschrieben. Dieser Titel bezieht sich einerseits auf die Situation nach dem Krisenjahr 1642, andererseits auf das ganze Schaffen Rembrandts: Bis zu seinem Tod 1669 - so macht der Rundgang deutlich - experimentierte er mit immer neuen Sujets und Techniken.

Das belegt auch die zweite Ausstellung "Rembrandt. Der Zeichner" im Berliner Kupferstichkabinett. Sie stellt den weltberühmten Berliner Bestand an Zeichnungen vor. "Wie kein anderer hat es Rembrandt vermocht, in nur wenigen Strichen Gesten oder Emotionen auszudrücken", sagt Dr. Holm Bevers, Hauptkustos am Kupferstichkabinett und Kurator der Ausstellung.

In der Vorbereitung der Ausstellung wurden die insgesamt 126 Zeichnungen der Berliner Sammlung, die Rembrandt bislang zugeschrieben wurden, erstmals seit den 50er Jahren wissenschaftlich bearbeitet. "So haben wir herausgefunden, dass nach jetzigem Wissensstand nur noch 55 Blätter tatsächlich eigenhändig von Rembrandt geschaffen wurden", erläutert Bevers.

Wie bei den Gemälden stehen auch bei den Zeichnungen die 55 "Originale" etwa 25 Arbeiten der Schüler gegenüber. In ihren Lehrjahren eifern die jungen Künstler ihrem Vorbild nach, die Hochachtung vor seiner Meisterschaft ist sichtbar. Erst als sie die Werkstatt Rembrandts verlassen, entwickeln viele eigenen künstlerischen Ausdruck.

Bei den Radierungen ist die Urheberschaft durch Rembrandts Signatur unstrittig. "Rembrandt. Ein Virtuose der Druckgraphik" lautet der Titel der dritten Ausstellung, ebenfalls konzipiert vom Berliner Kupferstichkabinett. In dessen Beständen befindet sich - wie bei den Zeichnungen - eine der weltweit herausragenden Sammlungen von Blättern aus allen Schaffensperioden.

Auffällig ist vor allem Rembrandts stilistische Vielfalt. Mit den Mitteln der schwarz-weißen Linienkunst gelingt es ihm, Licht und Schatten, Plastizität und Körpervolumen subtil wiederzugeben. Manche Arbeiten wirken dabei durch das feine Strichbild wie kleine Gemälde.

Rembrandt hat zudem die Radierplatten permanent weiterbearbeitet. "Nahezu jeder Abdruck dokumentiert seine Experimentierfreude", sagt Holm Bevers, der auch das druckgrafische Werk wissenschaftlich aufgearbeitet hat. Durch unterschiedliche Papiere oder verschiedene Einschwärzungen nahm Rembrandt den eigentlichen Charakter der Druckgrafik zurück: Seine Blätter sind keine Vervielfältigungen, sondern nahezu jedes im Detail ein Unikat. Etwa 115 Arbeiten vom Früh- bis zum Spätwerk sind in der Ausstellung zu sehen. Aus ihnen wird ersichtlich, dass Rembrandt - wie ein Jahrhundert zuvor Albrecht Dürer - der Druckgrafik denselben Stellenwert einräumte wie der Malerei.