Vermischtes "Macht gegenüber Medien nicht missbrauchen"

07.04.2002, 22:00 Uhr

Der Deutsche Rat für Public Relations (DPRG) hat ein Machtwort gesprochen: Das unabhängige Gremium ermahnte alle Unternehmen, ihre Einkaufsmacht gegenüber Medien nicht zu missbrauchen. Vorausgegangen war ein Streit zwischen der Lufthansa und der ,,Süddeutschen Zeitung"(SZ), die der Fluggesellschaft vorgeworfen hatte, die Menge der eingekauften Bordexemplare des Blattes als Reaktion auf eine kritische Berichterstattung reduziert zu haben.

In seiner Begründung betonte der DPRG als unabhängiges Gremium der Presse-, Konzernsprecher und PR-Agenturen, Nötigungen oder Drohungen widersprächen den Grundsätzen rechtschaffener PR-Arbeit. ,,Wir mussten alle großen Unternehmen mahnen, nicht nur die Lufthansa, weil das häufig passiert - auch bei anderen", erläuterte der Vorsitzende des Rates, Horst Avenarius, in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Deutsche Lufthansa AG hatte im März 2002 die Menge der Bordexemplare der SZ von 21 750 auf nur noch 8000 Stück am Tag reduziert .Verlagsleitung und Chefredaktion der SZ sahen darin einen Angriff auf die Pressefreiheit: Die Lufthansa habe das Blatt für dessen kritische Berichterstattung über den Tarifstreit zwischen der Fluggesellschaft und deren Piloten abgestraft.

Auch der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger Helmut Heinen hatte in einem Brief an Lufthansa-Chef Jürgen Weber die Sorge formuliert, ,,die LH betreibe beim Einkauf von Zeitungen eine Politik, die wirtschaftlichen Druck als Mittel der Kommentierung oder gar der Beeinflussung journalistischer Arbeit" einsetze. Das Luftfahrtunternehmen hat den Zusammenhang zwischen Berichterstattung und Abonnentenentscheidung aber stets bestritten.Der Rat konnte nach den Worten von Avenarius nicht endgültig klären, ob es sich bei der LH-Aktion wirklich um eine Strafmaßnahme gehandelt habe. ,,Eine Kausalität drängt sich aber auf", hieß es im Pressetext. Eine letzte Beurteilung sei auch dadurch erschwert worden, weil die "SZ" sich nach anfänglicher aggressiver Informationspolitik zu dem Fall ab der zweiten Jahreshälfte 2001 sehr bedeckt gehalten habe . Der Leiter der Unternehmenskommunikation der Lufthansa Klaus Walther, der selbst Mitglied des DPRG sei, habe in Gesprächen und in einem Brief an das Gremium im Januar 2002 betont, der Streit mit der SZ sei eine "alte Sache", man verstehe sich wieder gut, berichtete Avenarius .

,,Einen harten Kurs" fährt die Lufthansa nach den Worten des DPRG-Vorsitzenden aber weiterhin gegenüber der freien Journalistin Tatjana Meier, die über den Konfliktfall zwischen Unternehmensinteressen und Pressefreiheit im Evangelischen Pressedienst (epd) als Erste berichtet hatte. Im Anschluss hatte die Münchner Wirtschaftsjournalistin kritisiert, sie werde von der Lufthansa nicht mehr wie üblich mit Pressemitteilungen versorgt oder zu Presseterminen eingeladen. Dazu stellte das Gremium fest: ,,Die abrupte Streichung von Frau Meier von der Verteiler und Einladungsliste der LH kann ebenso wie die abrupte Kürzung der SZ-Abonnements mit jeweils vorausgegangenen Veröffentlichungen in Zusammenhang gebracht werden". Die Lufthansa bestritt auch dies.

Auch der ,,Fall Tatjana Meier", so Avenarius, sei kein Einzelfall. Kritische Journalisten würden leider viel zu häufig von Unternehmen zur ,,persona non grata" erklärt. Vor allem freie Journalisten, die keinen mächtigen Apparat hinter sich hätten, seien von solchen Maßnahmen betroffen. Der Rat mahnte deshalb ,,alle Pressestellen ganz eindringlich, sich bei der Streichung von Journalisten aus Presseverteilern nicht von Strafaktionen leiten zu lassen".

Gegenüber unserer Zeitung begrüßte Tatjana Meier die Entscheidung des Rates: ,,Pressestellen werden sich künftig gut überlegen, ob sie solche Strafaktionen durchführen". Kritische Journalisten könnten sich ermutigt fühlen. Besonders erfreulich sei, das mit dem Deutschen Rat für Public Relations ein Gremium eine Lanze für den kritischen Journalismus gebrochen habe, von dem sie es am wenigsten erwartet habe.

Von der Verteilerliste der Lufthansa ,auf der sie zwölf Jahre lang gestanden hatte, ist Tatjana Meier bis heute gestrichen. Aber immerhin wurde die Menge der eingekauften Bordexemplare der ,,Süddeutschen Zeitung" inzwischen wieder von 8000 auf 15 000 Stück täglich erhöht.