Vermischtes "Los? Wie nehmen, was kommt"

05.12.2002, 23:00 Uhr

Von Feier konnte keine Rede sein, denn große Siege werden anders als in einem amerikanischen Imbiss zelebriert, den die Basketballer des TSV Quakenbrück nach einem der psychologisch wichtigsten Erfolge dieser Saison aufsuchten. Es blieb bei einem Imbiss und ging alsbald noch vor Mitternacht zurück ins Artland, so dass der 92:83-Triumph in der 2. Pokalrunde bei den Schwelmer Baskets allenfalls still genossen wurde.

Kein Wunder, denn der Job ruft. Im Training täglich zweimal, im Spiel aktuell dreimal in acht Tagen, so dass alle Konzentration am Tag nach dem Pokalcoup beim Ligarivalen der nächsten Punktspielkaufgabe am Samstag (19 Uhr) beim TuS Lichterfelde galt. Getreu der Devise: ,,Wenn wir schon in Schwelm gewinnen, wollen wir uns in Berlin nicht die erste Niederlage einfangen". Wie gezielt die ,,Drachen" als ungeschlagene Nummer eins der zweiten Liga diese Aufgabe auch im Umfeld angehen, beweist die Tatsache, dass sie nicht am Spieltag, sondern bereits an diesem Freitag anreisen, um in einem Hotel in der Hauptstadt abzusteigen und ausgeruht das letzte Auswärtsspiel vor der kurzen Weihnachtspause anzugehen.

Bei aller Konzentration auf Lichterfelde und aller Vorfreude auf eine achttägige Pause nach dem Heim-,,Finale" eine Woche später gegen Göttingen durfte kurz und kräftig durchgeatmet werden bei breiter gewordener Brust. ,,Es ist für die Spieler sehr schön, unter den letzten 16 Vereinen in Deutschland zu spielen. Das ist auch sehr positiv für die Fans", kommentierte Trainer Chris Fleming den Einzug in das Achtelfinale des nationalen Pokalwettbewerbs, das für den 19. Februar 2003 terminiert ist. ,,Welchen Gegner wir wollen? Wir nehmen, was kommt - so oder so", verbreitete der Coach zunächst einmal Gelassenheit in der Erwartung der Auslosung, die vermutlich erst im neuen Jahr vorgenommen wird.

Dabei lohnt sich bereits jetzt ein Blick auf die Namen, die in der Lostrommel liegen: Vermutlich nur der BBC Bayreuth und der TSV Quakenbrück dürften als Vertreter der 2. Ligen dabei sein und demnach Heimrecht genießen, ansonsten die 14 Teams der Bundesliga. Bis gestern hatten sich neben Brandt Hagen, Avitos Gießen, TSK Bamberg und EnBW Ludwigsburg auch die EWE Baskets Oldenburg durch einen glücklichen 87:86-Erfolg in letzter Sekunde bei ART Düsseldorf qualifiziert. TXU Braunschweig (in Bremerhaven), Mitteldeutscher BC (in Essen) und TBB Trier (in Crailsheim) sollten bei noch ausstehenden Spielen in diesen Tagen folgen.

Komplett machen dann S. Oliver Würzburg, Skyliners Frankfurt, Bayer Giants Leverkusen, Telekom Baskets Bonn, RheinEnergie Cologne und Meister Alba Berlin das Feld, die bisher im Cupwettbewerb auf nationaler Ebene frei gestellt waren wegen der parallel laufenden Pokalspiele auf europäischer Ebene. Lieber einen eventuell schlagbaren schwächeren Erstligisten bzw. Zweitligist Bayreuth als nächste Gegner oder einen der ,,ganz Großen"? Fleming macht sich keine Gedanken, sondern freut sich einfach auf das Erreichte.

Besonders über die Moral, nach einem 16-Punkte-Rückstand ins Spiel zurück zu finden, die bis dahin klägliche Vorstellung wie eine Jacke abzulegen und die Schwelmer mit einer totalen Kehrtwendung auszuspielen. ,,Wenn man einmal entspannt, ist es schwierig, wieder aus dieser Haltung heraus zu kommen", meinte Fleming und dachte dabei an die bewusste Entspannung nach dem ,,Doppelpack" mit den Punktspielsiegen gegen Schweln und inBremerhaven. Zum einen im Training, das der Coach gezielt drosselte wegen der aktuellen drei Spiele innerhalb von acht Tagen, zum anderen in der Einstellung, denn allein der Kopf war ausschlaggebend für den schwachen Beginn sowie das starke Ende in Schwelm.

Dabei erwies sich einmal mehr eine alte ,,Weisheit" als zutreffend, wonach in der Verteidigung die Grundlage für den Erfolg im Abschluss sowie bei der Endabrechnung geschaffen wird. Als die ,,Drachen" endlich die Angriffe der Baskets stoppten, trafen sie im Gegenzug, ,,weil dann der Duck weg ist, den man sich als Spieler durch ein gute Verteidigung selbst nimmt", wie Fleming als Coach mit nur zweieinhalb Jahren Abstand zum Ende seiner Laufbahn als erfolgreicher Spieler weiß und somit treffend sagt. 19:0 Punkte in Serie leiteten die Ende ein und sprachen prompt Bände, 18 Punkte von Konstantinos Stavropoulos innerhalb von 13 Minuten ebenso wie 89 Prozent von der Freiwurflinie (25 von 28).

,,Ich hoffe, dass wir jetzt wach gerüttelt sind und die nächsten Spiele anders angehen", meint Fleming nach dem Lernprozess von Schwelm, wohin die Quakenbrücker gerne zum Rückspiel der Punktrunde am 8. März fahren mit zwei Erfolgserlebnissen in Punkt- und Pokalrunde im Gepäck. Am liebste natürlich noch mit eine zusätzlichen Erlebnis zuvor am 19. Februar im Pokal, dessen Los sie ,,nehmen, wie es kommt". Auch reichlich selbstbewusst, denn zu verlieren haben sie in dem Wettbewerb nach der tollen Steigerung an diesem Mittwoch nichts mehr.