Vermischtes Langohrige Therapeuten

29.07.2009, 22:00 Uhr

Völlig entspannt wirkt Angela Kothöfer, wenn sie mit Rosi und Kalle kuschelt. Rosi mit dem Knickohr und Kalle scheint es ähnlich zu gehen. Die Kaninchen fühlen sich sichtlich wohl, werden auf dem Schoß – oder als wärmender Kragen im Nacken von Angela Kothöfer – ganz ruhig. Nur die Nase zuckt neugierig im Sekundentakt.

Seit drei Monaten teilen sich die 34 Bewohner des Bereichs II im Seniorenzentrums Blombergklinik ihren Wohnflur mit den beiden Tieren. Noch scheint der Käfig für die beiden propperen Karnickel ein wenig knapp bemessen. Doch das soll sich bald ändern.

Leicht demente und nichtdemente Senioren leben hier gemeinsam. Ihnen durch die Anwesenheit von Tieren neue Anregungen und Lebendigkeit zu geben, sie stärker ins „normale“ Leben einzubinden, ist inzwischen weltweit anerkannte Therapie.

Denn wer mit Tieren lebt, lebt gesünder. Der schlafende Hund neben dem Sofa senkt auf wundersame Weise den Blutdruck. Das Streicheln einer Katze beruhigt aufgewühlte Seelen. Aber Tiere haben auch die Fähigkeit, Gefühle zu wecken und emotionale Barrieren zu überwinden. Von dieser tierisch-menschlichen Gemeinschaft profitieren ältere und demente Menschen ganz besonders. Versunken in ihre eigene Welt, fällt ihnen der Zugang zu anderen Menschen sonst häufig schwer.

„Seitdem wir Rosi und Kalle haben, sind unsere Bewohner viel ausgeglichener“, bestätigt auch Nina Cramer den positiven Einfluss von Fell und Pfote. Die Auszubildende zur Altenpflegerin freut sich über den Zuwachs in ihrem Wohnbereich.

Die Senioren nehmen die Tiere auf den Arm, streicheln sie und unterhalten sich mit ihnen. Oder sie schauen den beiden einfach beim Fressen, Spielen oder Schlafen zu. Ein ganz besonderes Verhältnis zu den langohrigen Mitbewohnern hat aber Angela Kothöfer. Als sie noch gemeinsam mit ihrem Mann in Kloster Oesede lebte, war sie „mehr im Garten als sonstwo“. Dort standen die Ställe mit den Kaninchen, die ihr Mann mit viel Begeisterung züchtete.

Mensch und Tier tun sich gut. Darum dürfen die Bewohner der Blombergklinik auch ihren Wellensittich oder ein Meerschweinchen in ihrem Zimmer halten. „Grenzen gibt es bei größeren Tieren“, erklärt Jürgen Zastrow, weil es die meist pflegebedürftigen Bewohner nicht schafften, sich ausreichend um die Tiere zu kümmern. Doch zu Besuch sind auch Hunde willkommen.

Um die Fütterung von Rosi und Kalle und die Reinigung ihres Stalls kümmern sich die Mitarbeiter – am Anfang wohl ein wenig zu wohlwollend. Dank reichlich Kraftfutter setzten die beiden Speck an. Das tat der Flauschigkeit zwar keinen Abbruch, wohl aber ihrer Gesundheit. Mit Rohkost und Heu wurden sie wieder auf Linie gebracht. Damit nicht nur die Menschen um die Kaninchen gesund bleiben, sondern auch die tierischen Therapeuten.