Vermischtes Landtagspräsident ist der mittlerweile 21. Fundpate

19.12.2002, 23:00 Uhr

Die nicht gerade komfortable Personalsituation der Schnippenburg-Ausgrabungen in Schwagstorf kann sich eigentlich nur verbessern. Bei seinem Besuch zeigte sich Landtagspräsident Professor Dr. Rolf Wernstedt einigermaßen überrascht, dass bei einem so bedeutenden Projekt nur ein Wissenschaftler – nämlich Ausgrabungsleiter Sebastian Möllers – beschäftigt ist.

Ihm zur Seite steht ein Grabungsassistent. Zeitweise sind Studenten, Praktikanten oder Zivildienstleistende im Einsatz. Die Ausgrabungen laufen auch während der Wintermonate weiter. Sie sollen bis Ende 2004 abgeschlossen sein, für 2006 ist eine möglichst umfassende Ausstellung geplant.

Zwischen dem Ende der Schnippenburg, die komplett eingeäschert wurde, und der Varus-Schlacht in Kalkriese liegt ein Zeitraum von rund 100 Jahren. Die Bedeutung der Anlage aus der vorchristlichen Eisenzeit liegt darin, dass sie durch unterschiedliche Funde (unter anderem verbranntes Holz) eindeutig zeitlich zugeordnet werden konnte. Die ausgegrabenen Gegenstände stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert vor Christus, darunter 40 Tüllenbeile und Bronzeschmuck.

Der enorme Metallreichtum, so Sebastian Möllers, ist höchst ungewöhnlich und lässt vermuten, dass vor Ort Eisen hergestellt wurde. Ließen sich dafür Beweise finden, stellte das eine wissenschaftliche Sensation dar. Offen ist auch die Frage nach der früheren Funktion der Schnippenburg. Die Tatsache, dass sich im Bereich der oberflächlichen Funde in größerer Tiefe weitere Stücke fanden, könnte auf Opferdepots hinweisen. Erforscht werden, so der Grabungsleiter, soll aber auch das Umfeld – unter anderem die künstlich angelegten Hangterrassen.

Funde sind für die Experten nicht grundsätzlich unproblematisch. In großer Anzahl bedeuten sie ein Kostenproblem. Entsprechend wurde gemeinsam von Gemeinde Ostercappeln und dem Grabungsleiter ein Fundpatenschafts-Projekt ins Leben gerufen. Für 200 Euro kann ein Metallfund restauriert und gezeichnet werden. Der Spender erhält eine Urkunde mit Vorher-Nachher-Foto. Dass es Professor Dr. Wernstedt im Hinblick auf Unterstützung nicht bei Worten belässt, zeigt sich darin, dass er jetzt der 21. Schnippenburg-Pate ist.