Vermischtes Kritik an FIFA: Größter Fußballwitz aller Zeiten

03.12.2010, 12:06 Uhr

Ein verheerendes Medien-Echo hat der umstrittene Fußball-Weltverband FIFA für seine WM-Vergaben geerntet: Die Weltmeisterschaften gehen 2018 in Russland und 2022 in Katar über die Bühne - und die Fußball-Welt wundert sich. Tenor: Die FIFA folgt dem Ruf des Geldes.

La «Gazzetta dello Sport» (Italien) schrieb: «Es geht ums Geschäft - mehr oder weniger schmutzig. Es geht um Blatter, der immer gewinnt, während der jüngste von vielen Skandalen einfach an ihm abperlt.» Die großen Verlierer stehen fest: «England vernichtet, die USA geohrfeigt, Spanien und Portugal enttäuscht - addio alte Fußball- Geografie.» «Corriere della Sera» befand kurzum: «Die WM der Reichen.»

Der «Daily Mirror» schäumte auf der Insel: «Verkauft - der Fußball kommt nicht nach Hause. Die beste Bewerbung hat verloren. Russlands milliardenschwere Oligarchen und die Öl-Milliardäre aus Katar haben gewonnen.» Das Boulevard-Blatt «The Sun» spekulierte über «Schiebung», während «Daily Mail» distanzierter fragte: «War die WM- Vergabe ein abgekartetes Spiel?»

In Spanien schrieb «Marca»: «Die FIFA richtet sich nach der Macht der Wirtschaft.» «El País» analysierte: «Das Geld der großen russischen Magnaten und die Aussicht auf die Erschließung neuer Märkte verhelfen Russland zur WM 2018.» «El Mundo» textete: «Russland und Katar, Erdgas und Öl: Die WM entfernt sich von den Traditionsländern des Fußballs.»

In Schweden lästerte «Expressen»: «Eine trostlose Entscheidung. Was haben Russland und Katar gemeinsam? Öleinnahmen und Korruption. Das scheint der FIFA zu gefallen.» Beim Nachbarn in Norwegen befand «Dagbladet» dagegen: «Gegen Russland kann keiner was haben. Aber Katar ist der größter Fußballwitz aller Zeiten.»

Der «Blick» in der Schweiz fragte: «Katar?» Und antwortete sogleich: «Das ist ein Kulturschock sondergleichen! Die FIFA hat gespürt, dass es Zeit ist, den Nahen Osten auf die Fußball-Landkarte zu nehmen.» Die «Neue Zürcher Zeitung» erläuterte nüchtern: «Die FIFA verfolgt damit in erster Linie die Politik, neue Fußballmärkte zu erschließen. Die Wahl Katars ist überraschend, ihr haftet etwas Irrationales an.» Die «Kronenzeitung» in Österreich befand: «Russland und Katar - WM betritt Neuland! Der Fußball-Weltverband FIFA hat Geschichte geschrieben - und wird wohl auch viel, viel Geld kassieren!»

Jubel dagegen im 2018-Gewinnerland Russland. «Iswestija» schrieb voller Stolz: «Ohne Übertreibung wird die WM in Russland ein historisches Ereignis. Wir haben erneut bewiesen, dass das Unmögliche möglich ist. Ein Märchen wurde wahr - aber es ist erst der Anfang.» Wasser in den Wein goss «Kommersant»: «Für Russland kann die Fußball-WM eins der teuersten und schwierigsten Projekte seiner Geschichte werden. Das bisherige Budget ist nur ein Tropfen im Meer der Kosten, die dem Land bevorstehen. Denn eine WM ist - anders als zum Beispiel die Olympischen Spiele in Sotschi - nicht auf nur eine Stadt beschränkt.»