Vermischtes Kommentar zum Neumarkt: Gegen ausgebuffte Center-Planer

Von Wilfried Hinrichs | 27.09.2011, 17:27 Uhr

Pistorius zeigt deutlich: Der Neumarkt ist kein Gebrauchtwagenmarkt. Der OB lässt sich nicht aufs vorbehaltlose Feilschen und Handeln ein, sondern setzt selbst die Maßstäbe. Er hebt damit die öffentliche Diskussion auf die nächste Ebene: Jetzt wissen alle, worüber zu reden ist und wo die Schmerzgrenzen liegen.

Pistorius übererfüllt damit den Auftrag, den ihm der Stadtrat im Mai für die Gespräche mit den Center-Entwicklern aus Essen gegeben hatte. In dem Beschluss (gefasst gegen die Stimmen der CDU) hieß es, die Verwaltung solle mit den Investoren über eine „für das Oberzentrum Osnabrück verträgliche Größenordnung“ sprechen und dabei auch Branchenmix und Sortimentsbegrenzungen „berücksichtigen“. Pistorius hat diese eher vagen Vorgaben auf der Basis des Cima-Gutachtens präzisiert, konkret in Zahlen gefasst und den mfi-Vorstand zum Schwur gezwungen.

Dass er in dieser noch frühen Phase der Gespräche die Investoren vor die endgültige Wahl stellt und vor aller Augen und Ohren Bedingungen diktiert, ist ein eher ungewöhnlicher Vorgang. Der Raum für Kompromisse ist damit kleiner geworden, und der Oberbürgermeister steht bei den Bürgern im Wort. Er kann jetzt keinen Quadratmeter mehr zurück.

Center-kritische Experten warnen immer wieder, Kommunen ließen sich von ausgebufften Center-Planern leicht über den Tisch ziehen. Osnabrück hält bislang gut dagegen.