Vermischtes Kommentar: Piraten könnten im Alltag kentern

Von Dirk Fisser | 19.09.2011, 16:39 Uhr

Gratulation an Klaus Wowereit! Nicht zur Wiederwahl, sondern zu der Tatsache, dass er erkannt hat: Der Großteil der Piratenwähler hat aus Protest für die Freibeuter votiert. Die Schlussfolgerung daraus zieht der SPD-Mann nicht. Denn der Erfolg der Piraten zeugt vom Versagen der etablierten Parteien.

Sie haben es nicht verstanden, ein Angebot für einen neuen Typus von Wähler zu schaffen. Der ist in erster Linie jung, gut ausgebildet und mit den Neuen Medien aufgewachsen – das zeigen die Analysen in Berlin. Warum haben sich diese Menschen bei CDU, SPD oder den Grünen nicht mehr aufgehoben gefühlt? Weil deren Vertreter oft den Eindruck erwecken, beim Internet gehe es nur um Datenklau und Kinderpornografie. Der Piratenwähler weiß es besser.

Doch der Erfolg der Freibeuter in der Hauptstadt garantiert keineswegs einen Aufstieg zur bundesweiten Wahlalternative. Die 8,9 Prozent in Berlin sind für die etablierten Parteien ein Schuss vor den Bug gewesen. Sie haben die digitale Revolution thematisch verschlafen. Doch noch ist es nicht zu spät nachzurüsten. Gelingt dies, stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung der Piraten.

Die sind bisher kaum durch ernst zu nehmende Forderungen abseits des Computerkosmos aufgefallen. Insofern wird ihr Wirken in Berlin zum Gradmesser, ob die Piraten tatsächlich zur neuen Kraft im politischen Spektrum taugen oder doch im Parlaments-Alltag kentern.