Vermischtes Kleiner Hengst erobert „Nellys“ Herz

12.07.2009, 20:13 Uhr

Fröhlich wiehernd galoppiert das kleine braune Fohlen Seite an Seite mit seiner Mutter über die Weide. Es macht lustige Kapriolen, bedient sich an der „Milchbar“ und legt sich zufrieden nieder, um ein Nickerchen zu halten. Das kleine Pferdekind fühlt sich wohl, sicher und geborgen.

Dabei hatte es das Schicksal mit dem kleinen Hengst anfangs nicht gut gemeint. Im Alter von drei Wochen starb seine Mutter an einer Kolik. Nun war guter Rat teuer für den Besitzer der Stute, Karl Pieper aus Nortrup-Suttrup. Er erzählt: „Die Flaschenaufzucht ist sehr mühsam und arbeitsintensiv. Dazu kommt, dass Flaschenkinder das Sozialverhalten nicht kennenlernen und oft zu schwierigen Pferden heranwachsen.“ In Absprache mit einer Tierklinik habe er sich um eine Ammenstute für den „Sandro-Hit“-Sohn bemüht. Nach zwei Tagen sei dann ein Anruf aus der Tierklinik gekommen. In Haren habe eine Ponystute ein totes Fohlen zur Welt gebracht und die Besitzer, die Familie Fischer, würden das Pony als Ammenstute zur Verfügung stellen.

 „Wir haben für die Totgeburt keine Erklärung“, berichtet Heinz Fischer. Das Fohlen sei voll entwickelt gewesen. Noch beim morgigen Füttern habe die Stute völlig ruhig im Stall gestanden. Auf dem Überwachungsbildschirm in der Küche habe er dann nach einer halben Stunde gesehen, wie „die Stute im Stall umhersprang, als sei Feuer in der Box.“ Er sei hingeeilt und habe nur noch das tote Fohlen aus der Box holen können. „Nach dem ersten Schock reifte in uns der Gedanke, vielleicht einem anderen Fohlen helfen zu können“, sagt Fischer.

 Seine Frau habe sich mit dem Fohlennotruf in der Tierklinik Sottrum in Verbindung gesetzt. Dort sei ihr die Telefonnummer der Klinik in Bersenbrück mitgeteilt worden, wo dringend eine Ammenstute für ein verwaistes Fohlen gesucht wurde. „So sind wir schnell zusammengekommen“, sagt Pieper.

 Anfangs seien „Nelly“, so der Name der Ponystute, und sein Fohlen in zwei nebeneinander liegenden Boxen untergebracht gewesen. „Nelly interessierte sich recht wenig für das Fohlen, schnupperte aber immer mal am Gitter.“ Mit Hilfe zweier Tierärztinnen, die „echt gekämpft“ hätten, sei nach zwei Tagen der Bann gebrochen gewesen. „Nelly“ ließ das Fohlen trinken. „Jetzt beschützt sie das Fohlen wie eine Löwin“ beschreibt Pieper. Er habe nach einem weiteren Tag die beiden nach Hause geholt und später auf die Weide gelassen. „Nelly ließ uns gar nicht mehr an das Fohlen heran und beäugte uns misstrauisch, aber jetzt ist alles wunderbar.“

Die Ponystute kümmert sich nun rührend um den kleinen Hengst, der fast die Größe seiner „Mutter“ erreicht hat. Im Herbst wird sie wieder die Heimreise nach Haren antreten, wenn „ihr Fohlen“ entwöhnt wird. „Wir sind der Familie Fischer und besonders natürlich ‚Nelly‘ sehr dankbar“, sagt Karl Pieper, der die Ersatzmama im nächsten Frühjahr besuchen will. „Wir hoffen, dass die Stute dann wieder ein Fohlen bei Fuß haben wird“, so Heinz Fischer. „Sie ist tragend und erwartet ein Fohlen von Champion de Luxe“.