Vermischtes KKL befindet sich im "Sicheren Einschluss"

14.12.2006, 23:00 Uhr

Dort, wo im nächsten Jahr mit dem Bau des neuen RWE-Erdgaskraftwerkes begonnen werden soll, steht in unmittelbarer Nähe das alte, abgeschaltete Kernkraftwerk Lingen (KKL). Unsere Zeitung wollte von Dr. Hubertus Flügge, Leiter der RWE- Kraftwerke am Standort Lingen, wissen, wie weit der Rückbau des Kraftwerkes fortgeschritten ist.

Ein Blick zurück: Das KKL wurde in der Zeit zwischen 1964 und 1968 gebaut und war bis 1977 mit einer Nettoleistung von rund 240 Megawatt am Netz.

Im März 1979 wurde der Beschluss zur Stilllegung des nuklearen Teils und 1981 der Beschluss zum Stilllegen der gesamten Anlage gefasst. Grund: "Eine technische Nachrüstung, wie zum Beispiel bei den Dampfumformern, war aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr gerechtfertigt", wie Flügge erklärte.

Weiteren Angaben zufolge war im August 1983 auch der Abtransport der Brennelemente in die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England) beendet. Insgesamt sind von 1972 bis 1983 35 Transporte mit insgesamt 585 Brennelementen durchgeführt worden.

Im November 1985 wurde dann die Genehmigung zur Stilllegung und Herstellung des "Sicheren Einschlusses" erteilt, der bis 2013 genehmigt ist. Im Jahre 2010 muss der Rückbau beantragt werden.

Der Abriss der konventionellen Anlagenteile erfolgte nach der Molkeentsorgung (März bis Dezember 1990) in den Jahren zwischen 1993 und 1996. Flügge: "Damals war noch eine Einlagerung in das Abfallendlager Morsleben ERAM (Endlager radioaktive Abfälle Morsleben) möglich, bis auch dieses, nach einem politischen Entschluss im Jahr 1998, gestoppt wurde. Seit dem warten wir auf ein Endlager."

Doch sei man in der Zwischenzeit natürlich nicht untätig gewesen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden unter anderem radioaktive Stoffe sortiert und verpackt und zur externen Behandlung abgegeben: zum Schrotten, zum Verbrennen, zum Verpressen und zum Schreddern. Flügge: "Noch in diesem Jahr ist die interne Betriebsabfallentsorgung des KKL abgeschlossen".

Auf die Frage unserer Zeitung, wie in anderen Ländern der Endlagerproblematik begegnet wird, antwortete der Leiter der RWE-Kraftwerke am Standort Lingen, dass man in Amerika zum Beispiel einen Tunnel in einen Berg gebohrt habe, um dort die radioaktiven Abfälle zu lagern. "Man muss allerdings wissen, dass dort in einem Umkreis von 200 Kilometern niemand wohnt."

Die Schweden lagern in einem unterirdischen Granitfelsen und die Franzosen in einem oberflächennahen Endlager, das unter permanenter Bewachung steht.

"Der Salzstock in Gorleben wird von 90 Prozent aller Fachleute weltweit als perfekte Endlagerstätte bewertet, weil er sich seit rund 60 Millionen Jahren nicht verändert hat," meinte Dr. Flügge. Die Politik habe sich aber bis heute noch zu keiner Entscheidung durchringen können.