Vermischtes „Kein Treffen ohne Gesang“

24.07.2009, 22:00 Uhr

Am Eichendorff-Denkstein auf dem Born wurde jetzt eine Plakette angebracht, die den Besucher darüber aufklären soll, von wem der Ausspruch ist, der auf dem Stein zu lesen ist. Initiator war Dr. Wilhelm Kramer, der sich seit geraumer Zeit mit der Frage beschäftigt, wer den Stein damals aufgestellt hat und wer für die Inschrift verantwortlich ist.

So fand Wilhelm Kramer heraus, dass es bereits um 1910 auf dem Born einen Denkstein gab, der wohl durch das Werk Joseph von Eichendorffs inspiriert wurde, einem bedeutenden Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik, der zwischen 1788 und 1857 in Oberschlesien lebte. Er zählt zu den meistvertonten deutschen Dichtern. Zahlreiche seiner Gedichte wurden vertont und oft gesungen, so auch „O Täler weit, o Höhen“. Typisch für viele Werke Eichendorffs ist, dass sie aufgrund seiner eigenen starken Bindung zum Glauben häufig in einem religiösen Zusammenhang stehen. Man vermutet, das dass der Gedächtnisstein ursprünglich im Zusammenhang mit der Eröffnung des Waldhotels anno 1907 und dem gleichzeitigen 50. Todesjahr Eichendorffs stand.

Und wer heute hinter dem Waldhotel durch den Wald Richtung Christianshöhe wandert, der kommt zum Eichendorff-Stein, der ähnliche Zeilen wie die vierte Strophe aus Nr. 6 der Gedichtgruppe „Der wandernde Musikant“ von 1826 trägt: „O Lust, vom Berg zu schauen. Weit über Wald und Strom, Hoch über sich den blauen, tiefklaren Himmelsdom!“ Die Inschrift auf dem Born-Stein lautet in Abwandlung „O Lust vom Born zu schauen, weit über Wald und Feld, hoch über uns das weite, tiefblaue Himmelszelt“. „Kein Eichendorff-Treffen ohne Gesang“, gab Wilhelm Kramer als Motto des Treffens aus, und so verteilte er Handzettel mit einigen Texten von Eichendorff, die sogleich in der Runde angestimmt wurden. Trotz des unsicheren Wetters hatten sich über 25 Personen zu dem Treffen im Wald eingefunden, und zum 99. Geburtstag brachten sie dirigiert von Wilhelm Kramer am Erinnerungsstein ein kleines Ständchen, das dem Dichter gewidmet war. Anlässlich des Treffens erinnerte Kramer daran, dass der Born lange Jahre ein kahler Berg war, der eine gute Aussicht garantierte. Noch in den 1960er-Jahren lag nördlich und nordwestlich des Borns lediglich ein niedriges Gestrüpp mit Birken und kleinen Tannen, kaum höher als drei Meter. Doch haben die Pflanzen in den vergangenen Jahrzehnten eine Größe angenommen, dass heute von einem Rundum-Ausblick am Stein kaum mehr die Rede sein kann.

Vielmehr ist der heutige Born zugewachsen, und auch die kleine Eiche, die auf alten Fotografien zu sehen ist, hat sich zu einem ansehnlichen Baum entwickelt. Vor ihm hatte sich der Chor der Wanderer postiert, um zu singen. Und an eine Zeit zu erinnern, in der Wandern und das deutsche Liedgut noch Bestandteil des Alltags im Luft- und Badekurort waren.