Vermischtes Kaufhaus Magnus hat Insolvenzantrag gestellt

08.12.2002, 23:00 Uhr

Schwerer Schlag für die Meller Innenstadt. Das Kaufhaus Magnus hat Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind rund 70 Beschäftigte. Grund ist nach Aussage der Geschäftsführung eine drohende Überschuldung. Der Verkauf geht (vorerst) weiter. Gestern morgen wurden die Mitarbeiter durch die Geschäftsleitung von dem am Freitag vollzogenen Schritt informiert.

Die Zukunft des Kaufhauses ist höchst ungewiss. Drei Monatsgehälter sind durch das Konkursausfallgeld gesichert. Die November-Löhne wurden nicht gezahlt. Die Magnus-Gruppe hat das ehemalige Central-Kaufhaus vor rund dreieinhalb Jahren übernommen. Im Restjahr 1999 und 2000 wurden Gewinne erwirtschaftet. 2001 gab es einen Verlust und 2002 werde sich dieser deutlich erhöhen, so die Geschäftsleitung. Für 2003 seien die Aussichten noch schlechter, so dass wegen der anhaltenden Krise im Einzelhandel und vor dem Hintergrund einer zu erwartenden ungewissen Zukunft gehandelt werden müsse. Zielsetzung sei mindestens eine "schwarze Null".

Widersprochen wird der Aufffassung des Betriebsrates, es handele sich um Panikmache.

Bemühungen, die Kosten durch Lohnkürzungen zur Sicherung aller Arbeitsplätze oder durch die Entlassung von 13 Beschäftigten in den Griff zu bekommen, sind nach Aussage der Gesellschafter Karl-Friedrich Magnus und Norbert Wittenberg sowie des Geschäftsleiters Peter Bruckschen trotz intensivster Bemühungen nicht gelungen und am Widerstand des von der Gewerkschaft Verdi stark unterstützten Betriebsrates gescheitert. Auch ein Ende November geführtes Gespräch über einen Interessenausgleich brachte keinen Erfolg.

Karl-Friedrich Magnus: "Jetzt bestimmt der Insolvenzverwalter, was passiert. Der Verkauf des Warenlagers geht weiter. Neue Ware wird jedoch nicht bestellt. Die Fakten, die geschaffen wurden und die Zahlen lassen keine andere Wahl zu. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Der Mittelstand ist gefesselt. Das Betriebsverfassungsgesetz und der Betriebsrat sind gegen die Eigemverantwortung dieses Betriebes. Wir produzieren zurzeit mehr Kosten als wir verdienen. Veränderungen sind zwingend, aber leider wegen der fehlenden Zustimmung des Betriebsrates nicht möglich. Die Gewerkschaft hat offensichtlich dem Betriebsrat kein grünes Licht gegeben."

Magnus muss als Folge der sich in den letzten Monaten verschärfenden Kaufzurückhaltung der Kunden in diesem Jahr einen der Umsatzeinbruch gegenüber 2001 von rund 15 Prozent verkraften. Notwendig ist deshalb eine Reduzierung der betrieblichen Ausgaben. Das geschehe in vielen Bereichen. Die Aufwendungen für das Personal machen rund 70 Prozent der Kosten aus, so die Geschäftsführung. Deshalb seien in diesem Bereich Einschnitte unausweichlich. Im Vergleich zu anderen Kaufhäusern der Magnus-Gruppe liege das Lohnniveau in Melle deutlich über dem Durchschnitt, so Magnus und Wittenberg.

Dass das Unternehmen großes Interesse an dem Standort Melle hat, machten die Gesellschafter gestern an der in diesem Jahr getätigten Investition von rund 320 000 Euro zur Steigerung der Attraktivität des alteingesessenen Meller Innenstadt-Kaufhauses deutlich. Außerdem hätten sie, so erklärten Magnus und Wittenberg, aus eigenem Vermögen Mittel in das Meller Kaufhaus gesteckt. Das sei jedoch kein Dauerzustand.

Der Betriebsrat, so ist einem Aushang zu entnehmen, vertritt die Meinung, dass bei einem weiteren Stellenabbau nicht mit einem Umsatzaufschwung, sondern mit einem weiteren Umsatzrückgang zu rechnen sei. Vorgeschlagen wurde deshalb von der Mitarbeitervertretung, das Warensortiment zu ändern und andere Preislagen in das Angebot aufzunehmen. Eine Meinung, die die Geschäftsführung nicht teilt. Sie verweist auf die auch im Weihnachtsgeschäft zu beobachtende allgemeine Kaufzurückhaltung.