Vermischtes Innsbrucker Innenstadt aufwendig auf alt gemacht

26.12.2002, 23:00 Uhr

Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers – ARD, Samstag, 22.10 Uhr ,,Also guat. Wenns Landl grad mi haben will, so solls mi haben. Aber nur im Namen des Kaisers“. Ein Anführer wollte er eigentlich nie sein, der Tiroler Gastwirt und Weinhändler Andreas Hofer - und doch ist er zum Freiheitshelden geworden.

In einem spannenden Historiengemälde erzählen der renommierte Regisseur und Kameramann Xaver Schwarzenberger (der schon unter Rainer Werner Fassbinder arbeitete), und der Tiroler Drehbuchautor Felix Mitterer (Tatort, Die Piefke-Saga) die Geschichte vom Freiheitskampf der Bergbauern gegen die bayerischen Truppen Ende 1808 bis Ende 1809, die sich mit dem verhassten Napoleon verbündet hatten. Tirol gehörte seit Frankreichs Sieg 1805 über die russischen und österreichischen Truppen nicht mehr zu Österreich, sondern zu Bayern. Die Einwohner der Bergregion hatten sich den Gesetzen der Besatzer zu beugen.

Schwarzenberger und Mitterer können in ihrem Film ,,Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers“ auf ein erstklassiges Schauspielerensemble zurückgreifen. Der Titelheld wird überzeugend von Tobias Moretti verkörpert, der selbst in Grieß/ Tirol geboren wurde. Kongenial steht ihm Franz-Xaver Kroetz in der Rolle des demagogischen Feldpaters Joachim Haspinger zur Seite, der am Ende feige die eigenen Leute verleugnen wird. Als Hofers Frau ist Julia Stemberger zu sehen, seine Geliebte, die Marketenderin Mariandl, wird von Martina Gedeck gespielt. Darüber hinaus wirken u.a. Günther Maria Halmer, Heio von Stetten, Max von Thun, Ottfried Fischer und Gregor Bloéb mit. Besonderes Highlight sind die drei grandiosen Kurzauftritte von Gustav Peter Wöhler als Napoleon I.

Aufwändig und arbeitsintensiv wurde größtenteils an Originalschauplätzen gedreht. Für die Dreharbeiten in der Innsbrucker Innenstadt mussten moderne Schriften und Geschäftsfassaden verschwinden, heutige Fensterläden ausgetauscht werden – allein 88 am Haus des ,,Goldenen Dachls“. Die historischen Waffen der Tiroler Bauern wurden ebenso organisiert, wie rund 1000 Kostüme für die insgesamt 1600 Statisten angemietet. Auch der Gasthof Andreas Hofers wurde eigens neu aufgebaut.

Authentizität erlangt die Verfilmung aber nicht nur durch die Kulissen, Kostüme und Bauten, sondern auch durch den (gemäßigten) Einsatz Tiroler Mundart. Das erschwert uns Norddeutschen zwar zuweilen, dem (akustischen) Geschehen zu folgen, dient aber dem hervorragenden Gesamteindruck. Ein bild- und wortgewaltiges Werk, das auch die Grausamkeiten dieses ungleichen Kampfes zeigt, den natürlich die napoleonischen Truppen für sich entschieden: Im Februar 1810 wird der Tiroler Nationalheld durch französisches Militär in Mantua erschossen. Dabei kommentierte Hofer die erste Salve des Hinrichtungskommandos, die ihn trifft aber nicht tötet, mit den Worten: ,,Ach, wie schießt ihr schlecht“.