Vermischtes In der Imkerei zum Fachabi

29.07.2009, 22:00 Uhr

Schnell raus aus der Schulbank und rein in den Bienenschwarm: Diesen Plan verfolgen Nele Nielsen (18) aus Engter und Lea Unland (19) aus Haste. Beide ersetzen die 13. Klasse des Gymnasiums durch ein einjähriges Praktikum in einer chilenischen Imkerei.

Die Idee zum Auslandspraktikum ist im Frühjahr entstanden – „als klar war, dass unsere Noten nicht die Besten sind“, geben die beiden Mädels zu. Entspannt sitzen sie bei Sonnenuntergang in einem Osnabrücker Straßencafé und machen sich Gedanken über ihre neue Aufgabe, die sie im September antreten werden.

„Wir wissen eigentlich nur, dass wir dort Bienenköniginnen züchten. Wenn die aus dem Stock rausfliegen, müssen wir sie fangen“, sagt Lea. „Mit Keschern?“, fragt Nele dazwischen und stellt sich die neue Aufgabe schon wie eine Mondmission vor: „Kriegen wir dann auch solche Raumanzüge, so einen weißen Kittel mit einer Haube?“

Ihr Auftrag führt Lea und Nele zwar nicht ins All, aber doch auf die andere Seite der Welt: In einer Imkerei im südamerikanischen Chile werden sie ein berufsbezogenes Praktikum absolvieren. Auf dem Land, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Santiago entfernt, arbeiten sie ein Jahr, um die Fachhochschulreife zu erwerben. Das ist möglich, wenn man wie die beiden die zwölfte Gymnasialklasse erfolgreich absolviert hat.

„Erst wollten wir in einem Kindergarten in Chile arbeiten“, erzählt Nele. Als die Vermittlung eines freien Platzes nicht klappte, bot Leas Onkel Hilfe an: Der gebürtige Deutsche ist vor 15 Jahren nach Chile ausgewandert und hat eine Imkerei aufgemacht. „Er ist ein unglaublich aufgeschlossener und witziger Mensch“, sagt Lea über den Bruder ihres Vaters.

Vor fünf Jahren hat Lea schon einmal ihren Onkel in Chile besucht. In Erinnerung geblieben ist ihr vor allem der starke Kontrast zwischen Arm und Reich. „Es gibt dort keine Mittelschicht“, sagt sie. „Zuerst fährt man eine Allee aus verfallenen Wellblechhütten entlang, danach konmen prunkvolle Häuser mit Pool, in denen die wohlhabenden Menschen wohnen.“

Auf seinem Grundstück halte ihr Onkel mehrere Bienenstämme, sagt Lea. „Heißt es nicht Völker?“, wirf Nele ein. Kurzzeitig sind sich die beiden unsicher. „Auf jeden Fall hat er eine große Schleuder, in der Honig geschleudert wird“, ergänzt Lea vergnügt. Die 19-Jährige hat erst einmal genug von der Schule und freut sich darauf, in einem anderen Land zu leben.

Nele ist vor allem gespannt auf die paradiesische Landschaft, die ihr Lea versprochen hat – geprägt vom Gebirgsmassiv der Anden und vom Pazifik. Die Landessprache Chiles haben beide bereits in der Schule gelernt. „Wir müssen uns jetzt zwingen, viel Spanisch zu reden“, sagt Nele. Sie spielt mit dem Gedanken, später an der Fachhochschule ein Übersetzerstudium zu beginnen.