Vermischtes „Ich würde alles wieder genauso machen“

30.07.2009, 22:00 Uhr

T axifahrer Horst Eckrodt hat seinen Führerschein abgeben. Der Bad Essener war mit einem kranken Kind im Auto zu schnell gefahren und hatte deshalb von der Stadt Münster einen Bußgeldbescheid erhalten. 187 Euro muss der Chef von Taxi Wessler zahlen, außerdem erhält er drei Punkte in Flensburg und muss vier Wochen auf „den Lappen“ verzichten.

Die Entscheidung der Stadt Münster hat so manchen Leser des „Wittlager Kreisblatts“ auf die Palme gebracht. Weitgehend herrschte Empörung über die arg bürokratische Entscheidung. Es gab jedoch auch andere Stimmen, die meinten, dass einen Krankenwagen zu rufen doch wohl die bessere Alternative gewesen wäre. Allerdings war der Zwölfjährige aus dem Altkreis Wittlage mit seiner Mutter zu einem ganz normalen Termin in der Münster-aner Uniklinik unterwegs. Der Junge leidet an einer Stoffwechselkrankheit und muss ab und an dorthin. Eckrodt hat Mutter und Sohn schon öfter gefahren.

An diesem Tag „war der Junge anfangs voll im grünen Bereich“, berichtet Eckrodt. Erst zwischen Greven und Münster habe sich sein Zustand verschlechtert („er wurde immer blasser und bekam glasige Augen“). Erst dann hat Eckrodt Gas gegeben. „Die Strafe ist vollkommen in Ordnung, ich war zu schnell.“ Geärgert habe ihn aber „der Amtsschimmel – der hat laut gewiehert“. Damit meint Eckrodt wohl den Entzug des Führerscheins zusätzlich zur Strafe und die wenig einfühlsame Entscheidung des Sachbearbeiters in Münster.

In der Tat räumt der stellvertretende Münsteraner Amtsleiter Horst Werner Koch ein, dass es Ermessensspielraum gab: „Unter den emotionalen Gesichtspunkten hätte man möglicherweise eine andere Entscheidung treffen können“, sagte Koch der „Münsterschen Zeitung“, die nach dem Artikel im „Wittlager Kreisblatt“ ebenfalls berichtet hatte. Immerhin hatte die Uniklinik schriftlich bescheinigt, dass es sich um einen Notfall gehandelt hat. Koch sagte zudem, dass wenn Eckrodt Widerspruch eingelegt hätte, die Sache auf seinem Schreibtisch gelandet wäre und dann „hätte eine andere Entscheidung getroffen werden können.“

Doch Horst Eckrodt hat seinen Führerschein abgegeben, ohne weitere Einsprüche zu erheben, und hat bereits eine Woche rum. Eckrodt dramatisiert das Geschehen nicht, sondern sagt ganz offen, dass die vier Wochen nicht so schlimm seien, weil seine Angestellten seine Fahrzeiten schon auffingen. Überdies hat er viel Zuspruch erhalten. Per E-Mail hat sich etwa ein Polizist gemeldet, der auf eine Internetseite hinwies, die Präzedenzfälle aufführt. Außerdem ein Anwalt, der anbot, den Fall kostenlos zu übernehmen. Unter all den Zuschriften sei nur eine negative gewesen, so Eckrodt, der eines ganz klar sagt: „Wenn so etwas noch mal passieren würde – ich würde alles wieder genauso machen.“