Vermischtes „Ich hab ihm die Flasche durchs Gesicht gezogen“

15.07.2009, 22:00 Uhr

Nicht gerechtfertigt fand ein 19-jähriger Osnabrücker die 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und das Anti-Aggressionstraining, zu dem ihn das Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt hatte. Doch auch in der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht waren die Richter davon überzeugt, dass er im vergangenen April einem 20-Jährigen eine Flasche gegen den Kopf geschlagen hatte.

Eine Platzwunde, die mit vier Stichen genäht werden musste, trug der 20-Jährige durch den Schlag mit der Flasche davon. Zusätzlich verschob sich durch den Schlag auch noch der Kiefer des jungen Mannes, außerdem führte eine verletzte Arterie zu erheblichem Blutverlust.

Dem Schlag vorausgegangen war offenbar ein Streit vor einer Diskothek. Er sei einem Freund zu Hilfe gekommen, der von einer Gruppe anderer Jugendlicher bedrängt worden sei, sagte der 20-Jährige. Als er mit dem Freund gehen wollte, seien ihnen drei oder vier der Gruppe mit Flaschen in der Hand hinterhergerannt. Um seinem angetrunkenen Freund die Flucht zu ermöglichen, sei er „in die Gruppe hineingesprungen“, schilderte er vor Gericht. Wer den Schlag mit der Flasche geführt hat, habe er allerdings nicht gesehen. Nach Ansicht des Geschlagenen könne es aber nur der Angeklagte gewesen sein, weil er ihm am nächsten gestanden habe.

„Ich habe gar nichts gemacht, bevor ich angegriffen worden bin“, verteidigte sich der Angeklagte. Er habe gesehen, wie der 20-Jährige in ihn reinspringen wollte und darauf die Hände zum Schutz vor das Gesicht gehoben – dabei habe er ihn mit der Bierflasche getroffen.

Angesichts der erheblichen Verletzungen des jungen Mannes kamen der Staatsanwältin und auch den Richtern diese Schilderung recht abwegig vor – zumal ein weiterer Zeuge berichtete, der 19-Jährige habe seinen Kumpels anschließend gesagt, er habe dem anderen „die Flasche durchs Gesicht gezogen“. Er habe gesehen, dass der Angeklagte eine Kornflasche in der Hand gehabt habe, so der Zeuge.

„Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme kann es keinen Zweifel geben, dass der Angeklagte den Schlag geführt hat“, fasste der Vorsitzende Richter zusammen. Die Erklärung des 19-Jährigen sei mit Vorsicht zu genießen und in den meisten Punkten nicht richtig. Die Staatsanwältin sah es in ihrem Plädoyer genauso. „Mit hundert Sozialstunden und dem Anti-Aggressionstraining sind sie verdammt gut bedient“, beschied sie dem 19-Jährigen.

Das Urteil fiel entsprechend aus. „So etwas müsste man eigentlich ahnden mit freiheitsentziehenden Maßnahmen wie einem Wochenend- oder Dauerarrest“, meinte der Richter. Doch da der Angeklagte selbst Berufung eingelegt habe, könne das vom Amtsgericht festgesetzte Strafmaß nicht überboten werden.