Vermischtes Hinterm Regal versteckt: alte Gedenktafel für Haus Bitter

24.07.2009, 22:00 Uhr

Auf einmal war es weg: Das Bittersche Haus, über ein Jahrhundert ein prägendes und historisch interessantes Gebäude an der Grönenberger Straße, fiel 1970 dem Abbruchbagger zum Opfer, und der Protest war vor 40 Jahren nur verhalten. Der Wohnungsbau hatte damals Vorrang vor dem Denkmalschutz. Heute steht hier ein mehrgeschossiger Betonbau mit Mietwohnungen im typischen Stil der 70er-Jahre und eine Bungalow-Anlage im rückwärtigen Bereich auf dem Areal an der Bischof-Bitter-Straße, wie die kleine Zuwegung zu den Häusern auf dem früheren Bitterschen Grundstück getauft wurde.

Beim Abbruch des zweigeschossigen Bürgerhauses wurde damals wenigstens eine Gedenktafel geretttet, die am alten Gebäude an einen berühmten Sohn der Stadt erinnert, der in diesem Haus 1848 geboren wurde, lebte und 1926 auch starb: Erzbischof Dr. Albert Bitter, katholischer Bischof von Schweden. Jetzt wurde die Gedenktafel vom Heimatverein wieder an der Stelle angebracht, wo früher das Haus Bitter gestanden hat, an einer Mauer an der östlichen Einmündung in die Grönenberger Straße.

Gefunden hatte sie der Vorsitzende des Heimatvereins Hartmut Wippermann nach fast 40 Jahren wieder hinter einem Regal in der Posthalterei, wo der Heimatverein auch Lagerräume hat. Zur alten Gedenktafel fügte der Heimatverein noch eine weitere Erläuterungstafel hinzu mit weiteren Angaben zur Meller Historie.

Erzbischof Bitter war zwar der international bekanntere Sohn der Stadt, aber für Melle bedeutsamer war eigentlich sein Vater Dr. med. Johann Heinrich Bitter (1804–1883). Der geheime Sanitätsrat, Sohn eines Wellingholzhausener Kaufmanns, hatte von 1837 an seinen Wohnsitz und ärztliche Praxis in dem um 1800 gebauten Gebäude, seitdem als Haus Bitter bekannt. Dem königlichen Kreisphysikus und mehrfachen Verdienstordensträger verlieh der Meller Magistrat 1876 anlässlich seines 50-jährigen Arztjubiläums das Ehrenbürgerrecht.