Vermischtes „Havelse trifft kein Verschulden“

09.12.2008, 23:00 Uhr

Keine Rechtsgrundlage für das Urteil des Verbandssportgerichts, kein Missbrauch und kein Verschulden beim TSV Havelse und deshalb auch keine Punkte für den SV Meppen. So begründete das Oberste Verbandssportgericht des Niedersächsischen Fußballverbandes unter Vorsitz von Heinz Meyer (Osterholz-Scharmbeck) jetzt den Beteiligten die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils, dass die Neuansetzung des am 5. Oktober unter umstrittenen Umständen ausgefallenen Oberligaspiels in Havelse zur Folge hat.

Die höchste Sportinstanz des NFV folgt damit den Einlassungen des TSV Havelse in vollem Umfang. Zudem attestiert sie den Verbandssportgerichtskollegen um den Vorsitzenden Johannes Budde (Barßel) formelle Fehler und betont in Richtung des SVM, es sei „Zurückhaltung geboten, wenn dem gastgebenden Verein durch den gegnerischen Verein missbräuchliches Verhalten um die Spielabsage unterstellt würde“.

Der damalige Oberliga-Staffelleiter Klaus Bittigau und der Verbandsspielausschuss hatten nach dem Spielausfall im Oktober die Hinweise auf eine missbräuchliche Spielabsage (dem TSV fehlten viele Spieler, es herrschte Sonnenschein, es gab keine weiteren Spielabsagen etc.) an das Sportgericht zur Entscheidung weitergeleitet.

Schon das sei nicht korrekt, heißt es jetzt. Der Spielausschuss hätte selbst entscheiden müssen. Die Spielinstanzen seien „verpflichtet“, ihre „Strafbefugnis auszuschöpfen“. Gegen die Entscheidung des Spielausschusses wäre dann Berufung vor dem Verbandssportgericht möglich.

Die Zuständigkeitsrüge sei aber nicht allein Grundlage für die Aufhebung des Urteils gewesen. Auch eine missbräuchliche Spielabsage sei dem TSV Havelse „nicht nachzuweisen“. Und das, obwohl für die erste Instanz selbst Havelse und die Stadt Garbsen in ihren Stellungnahmen nicht bestritten, das der Platz am Tag der Absage bespielbar war und das Spiel nur aufgrund der sich voraussichtlich verschlechternden Wetterlage rechtzeitig abgesagt werden musste.

Auch der Stellungnahme des vom NFV beauftragten neutralen Platzbesichtigers (Oberligaschiedsrichter Michael Nitsche) sei keine hinreichende Aussagekraft beizumessen, da ihr eine eindeutige Aussage zur Bespielbarkeit des Platzes fehle.

„Der Verein hat von seinem Recht Gebrauch gemacht, ein Punktspiel rechtzeitig abzusagen, weil er der Auffassung war, dass der Platz für das Spiel am Spieltag voraussichtlich nicht benutzbar sein wird. Da er zudem die Gründe der witterungsbedingten Sperrung der Sportanlage noch präzisiert hat, hat der Verein alles unternommen...“, steht im abschließenden Urteil.

Im Übrigen müssten Spielwertungen in besonderen Fällen „die Ausnahme bleiben“ insbesondere, wenn dadurch Meisterschaften sowie Abstiege beeinflusst werden können. Eine Vereinsstrafe setze Verschulden voraus. „Dieses trifft auf das Verhalten des TSV Havelse jedoch nicht zu“, schreibt Sportrichter Meyer und betont, dass die Spielordnung dem Platzeigentümer grundlegend Sicherheit gebe, eigenverantwortlich die nötigen Entscheidungen zu treffen.

Dem Verband seit daran gelegen, etwaige Schadensersatzansprüche auszuschließen, falls eine eigentümerrechtlich nicht befugte Stelle dennoch ein Fußballspiel durchführen lässt. „Deshalb ist eine Anweisung seitens des Spielausschusses, auf einem gesperrten Platz gegen den erklärten Willen des Ausrichters ein Spiel auszutragen, durch ein Verbandsorgan nicht zulässig.“

Der SVM sieht so dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.