Vermischtes Gutachter: Hafen in Bohmte hat Zukunft

03.07.2008, 22:00 Uhr

Das Urteil der Gutachter ist eindeutig: Der Osnabrücker Hafen hat keine Zukunft mehr. Ein Neubau am Mittellandkanal in der Gemeinde Bohmte würde der Region mehr Nutzen bringen. Der Ausbau des Stichkanals, der bis jetzt 36 Millionen Euro gekostet hat, kommt zu spät.

Die Machbarkeitsstudie über die „Binnenhafenentwicklung im Bereich Osnabrück/Bohmte“ hatten die Stadtwerke Osnabrück und der Landkreis in Auftrag geben. Die Stadt war nur Zuschauer. Am kommenden Dienstag wird sich der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Komplex Hafen befassen. Es geht um Weichenstellungen für die nächsten Jahrzehnte.

Die Ausgangslage: Eine der treibenden Kräfte ist Stephan Rolfes, im Stadtwerke-Vorstand für den Hafen zuständig. Nach seiner Überzeugung hat der Osnabrücker Stadthafen nicht mehr genügend Entwicklungspotenzial, um auf Dauer wirtschaftlich arbeiten zu können. Schon heute reicht der Hafenumschlag nicht, um die Kosten zu decken. Der Umschlag per Schiff ging im vergangenen Jahr um 8,7 Prozent auf 560000 Tonnen zurück. Dagegen stieg der Bahnumschlag um 0,5 Prozent auf 665000 Tonnen an. Geld verdienen die Stadtwerke im Hafen nur mit der Verpachtung von rund 60 Hektar Gewerbeflächen. 60 Betriebe arbeiten im Hafengebiet, aber nur wenige nutzen die Wasseranbindung. Etwa 800 Schiffe laufen Osnabrück jährlich an. Sie bringen Zellstoff, Schrott, Mineralöl und Steine. Die meisten fahren leer zurück. Einen Containerumschlag per Schiff gibt es in Osnabrück nicht. Ein wichtiger Hafennutzer, die Piesberger Steinindustrie, hat das Ende des Steinabbaus für die Zeit nach 2015 in Aussicht gestellt.

Der Stichkanal: Experten sagen, der Ausbau des Stichkanals kommt 20 Jahre zu spät. 36 Millionen Euro sind bislang in die Verbreiterung von neun der 14,5 Kilometer Kanalstrecke, in acht neue Brücken, vier Düker und die Hasebettverlegung geflossen. Der Kanal ist jetzt breit genug für das Großmotorgüterschiff (GMS). Es ist 110 Meter lang und kann 2000 Tonnen transportieren. Der Haken: Solange die Schleusen in Hollage und Haste (Länge: 82 Meter) nicht erneuert sind, kann ein Großmotorgüterschiff Osnabrück nicht anlaufen. Der Ausbau der Schleusen soll nach vorläufigen Schätzungen noch einmal 100 bis 120 Millionen Euro kosten. Darüber hinaus müssten die Römereschbrücke angehoben und das Wendebecken im Hafen erweitert werden.

Die Finanzierung: Das Thema Geld ist ein hochrangiges Politikum. Denn der Kanal ist eine Bundeswasserstraße, dessen Ausbau damit Sache des Bundes. Um die Hafenanlagen müssen sich das Land und die Kommune kümmern. Stadtwerke-Vorstand Rolfes macht eine einfache Rechnung auf: Wenn die Schleusen nicht ausgebaut werden, spart der Bund gut 120 Millionen Euro. Damit ließe sich locker der Neubau eines Hafens am Mittellandkanal in Bohmte finanzieren, der laut Gutachten in der ersten Ausbaustufe 58 Millionen Euro kosten würde. Aber so einfach ist es nicht. Denn die 120 Millionen für den Schleusenausbau hat der Bund noch nicht fest eingeplant. Die Schleusen stehen im Bundesverkehrswegeplan unter „weiterer Bedarf“. Mindestens bis 2015 würde sich deshalb gar nichts bewegen. Verkehrsminister Tiefensee soll immerhin schon signalisiert haben, dass er den Neubau für eine „gute Idee“ hält. Rolfes leistet jetzt in vielen Gesprächen mit Politikern der Region Überzeugungsarbeit.

Ziel ist eine gemeinsame Absichtserklärung von Stadt, Landkreis, Land Niedersachsen und Bundesregierung, den Neubau in Bohmte weiter zu planen. Wenn es nach dem Stadtwerke-Vorstand geht, soll der Stadtrat am Dienstag den ersten Schritt machen.

Der alte Hafen: Der Stadthafen würde nicht sofort geschlossen, sondern stünde den heutigen Nutzern weiter zur Verfügung. Aber: Die Gutachter ziehen eine Verlagerung wichtiger Hafennutzer in Betracht – vor allem des großen Schrottlieferanten für das GMHütter Stahlwerk, Rohstoff Recycling RRO.

Solche Überlegungen stoßen vor allem in der Osnabrücker CDU auf allergrößtes Unbehagen. Josef Thöle (CDU) sagte während der Hauptversammlung der Stadtwerke am vergangenen Donnerstag: „Wir müssen dabei bleiben, den Hafen auszubauen und den Kanal wie geplant zu verbreitern.“

Der neue Hafen: Der Neubau wäre nach Meinung der Gutachter nicht ohne Risiko, die Risiken wären aber „beherrschbar“.

In der Gesamtbilanz überwiegen die Chancen. Der Standort im Altkreis Wittlage könnte ohne Probleme an die Bahnlinie angebunden werden.

Den Lückenschluss der A33 Nord und den Bau der neuen B51 in Belm halten die Gutachter für unverzichtbar für den neuen Hafen. Rund um den neuen Hafen im Bohmter Ortsteil Stirpe-Oelingen sollen 60 Hektar für Industrie und Gewerbe zur Verfügung gestellt werden. Und in Bohmte wäre ein Containerumschlag möglich, der immer weiter zunimmt.