Vermischtes Günther Jauch gab Talk-Einstand bei der ARD

12.09.2011, 09:10 Uhr

Guter Einstand für Günther Jauch bei der ARD: 5,10 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 18,6 Prozent) verfolgten seinen ersten Auftritt als Talkmaster für das Erste am Sonntagabend.

Damit holte der 55-Jährige rund eine Million mehr Menschen vor die Bildschirme als seine Vorgängerin Anne Will im ersten Halbjahr 2011 - eigentlich könnte Jauch zufrieden sein.

Doch rund eine Dreiviertelstunde nach Ende seiner Live-Sendung überkam ihn ein Anflug von Selbstkritik: «Ich bin mir sicher, dass wir bessere Sendungen machen können, weiß aber auch, dass wir schlechtere Sendungen machen werden.» Viele Twitterer hatten zu dem Zeitpunkt schon festgestellt: Der neue Jauch pustet einen dicken Hauch «Stern TV» durch die ARD, denn seine Sendung glich in vielen Bestandteilen seinem alten RTL-Magazin.

Die Einspieler und die emotionalen Beiträge zum unausweichlichen Thema 11. September erinnerten an «Stern TV», nicht aber die Besetzung der Runde, die ARD-gemäß aus sechs Hauptdiskutanten bestand, von denen nicht alle nötig gewesen wären. Warum saß ein Jürgen Klinsmann unter den Gästen, hatte aber außer seiner Einschätzung des Amerikaners an sich nicht viel beizutragen?

Kontrovers wurde die erste Show des Talkers Jauch nicht, wie er selbst einräumte. «Das Thema war nicht dazu da, dass sich die Diskutanten hätten in die Haare geraten können.» Jauch selbst bedankte sich aber bei all denen, die es ihm leicht gemacht hätten, das Kind auf die Welt zu bringen. Er könne aber auch noch nicht so richtig sagen, wie die Sendung wirklich war, irgendwie wie ein «1:0, das wir über die Zeit gerettet haben und dabei ein Eigentor verhindert haben».

ARD-Programmdirektor Volker Herres resümierte, die Sendung sei «gut gelungen». Jauch habe es geschafft, «das politisch Intellektuelle mit dem Menschlichen zu verbinden und damit ein Stück Gesprächskultur in die ARD zu bringen». Der Gedenktag, so sagte auch Herres, sei indes keine Gelegenheit gewesen, eine kontroverse Debatte auszulösen. Auch der zuständige Programmdirektor des Norddeutschen Rundfunks, Frank Beckmann, meinte, Jauch habe den Grat zwischen historischen Fakten und persönlichen Dimensionen hervorragend bewältigt.

Eine Stärke war sicher, dass Jauch längere Einspieler brachte, um damit Betroffene mehr als früher zu Wort kommen zu lassen. Ein kleines Manko jedoch bestand darin, dass unter den Hauptdiskussionsteilnehmern mit Elke Heidenreich nur eine Frau saß. Jauchs Nagelprobe wird möglicherweise schon in der nächsten Ausgabe kommen, wenn er sich vielleicht mit dem Ausgang der Berlin-Wahl befassen wird und sich die Gesprächspartner richtig zoffen - und dann nicht mehr auf Jauch hören, so wie sie früher auch schon das Eingreifen von Sabine Christiansen oder Anne Will ignoriert haben.

Jauch selbst sprach schon vor einigen Tagen von «10, 20, 30 Sendungen», die er brauche, um in Fahrt zu kommen, und von einer «übernatürlichen Erwartungshaltung». Trotzdem: der Anfang ist gemacht, und Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) fand zum Schluss der Show genau die richtigen, ein wenig tröstenden Worte: «Ich finde, Sie haben das gut gemacht.»